aus der ZfL Nr. 11:

Schwerpunktthema dieser Nummer:

Testen und Prüfen

 

 

Richtlinien zur Bewertung von Vorschulkindern

Die unten angeführten Richtlinien sollen zur Orientierung dienen. Sie sind Grundlage für die Erstellung eines Beobachtungsbogens, mit dessen Hilfe wir den Entwicklungsstand der Kinder feststellen und Entwicklungsauffälligkeiten rechtzeitig erkennen können.

Was ein Schulanfänger können, kennen bzw. wissen sollte:

Persönliches/Familie
- Vornamen und Nachnamen sagen,
- Vornamen schreiben und als Wort erkennen,
- das Alter angeben,
- über Essen, Lieblingsbeschäftigung sprechen,
- Familienmitglieder benennen.

Praktische Tätigkeiten/Motorik
- Stifte ohne Verkrampfung halten,
- geschickt sein beim: Schneiden, Falten, Kleben, Reißen, Kneten,
- sich selber an- und ausziehen, Schnürsenkel binden, Verschlüsse öffnen und schließen,
- beim Spielen und Turnen Gleichgewicht halten, auf einem Bein hüpfen, einen Ball fangen u. Ä.

Beobachten/Formen und Farben differenzieren
- Unterschiede erkennen  und nach Merkmalen differenzieren (rund, eckig, gerade, schräg, offen …),
- Grundformen erkennen und benennen: Viereck, Dreieck und Kreis,
- Richtungen und Lage bezeichnen: oben, unten, über, neben, zwischen …,
- Farben erkennen und benennen: rot, gelb, grün, blau, schwarz, weiß,
- Menschen mit Kopf, Körper, Händen und Fingern, Beinen und Füßen malen.

Sprache/Gespräch
- über einen altersgemäßen Wortschatz sowohl in der rumänischen als auch in der deutschen Sprache verfügen,
- Laute richtig aussprechen,
- einfache Sätze grammatisch richtig bilden,
- alltägliche Dinge benennen und Situationen beschreiben,
- Wünsche, Bedürfnisse klar ausdrücken,
- Anweisungen und Aufträge durchführen,
- auf Fragen antworten,
- Zeitbegriffe kennen: Morgen, Vormittag, Mittag, davor/danach, gestern/heute/morgen,
- Merkmale der Jahreszeiten aufzählen,
- wichtige Feste und Bräuche im Jahreslauf kennen (Ostern, Weihnachten, Fasching),
- einige Berufe kennen,
- unterschiedliche Bäume, Blumen benennen,
- die bekanntesten Haustiere und Zootiere erkennen,
- Interesse Tier- und Naturschutz zeigen.

Gedächtnis/Merkfähigkeit/Begriffsbildung
- einen einfachen Reim oder die Strophe eines oft gesungenen Kinderliedes auswendig sagen oder singen,
- ein Märchen in einfachen Sätzen wiedergeben,
- sich in der unmittelbaren Umgebung der Wohnung und auf bekannten Wegen (z.B. der Weg zum Kindergarten) zurechtfinden,
- bekannte Zeichen/Logos auch in unbekannter Umgebung erkennen (z.B. Ampel).
- Oberbegriffen Unterbegriffe zuordnen (z. B. Obst: Apfel, Birne ...),
- 3 oder 4 Einzelbilder einer Bildfolge ordnen.

Zahlen/Mengen
- bis 20 (oder auch weiter) zählen,
- Ziffern bis 10 schreiben,
- einer Menge die entsprechende Ziffer zuordnen,
- vorwärts- und rückwärts zählen,
- bei deutlichen Unterschieden Beziehungen erkennen, z. B. mehr/weniger, größer/kleiner.

Spiel- und Arbeitsverhalten/Ausdauer
- sich für Neues interessieren,
- begeisterungsfähig sein, mitmachen,
- beim Vorlesen ca. eine Viertelstunde ausdauernd zuhören,
- sich mindestens eine Viertelstunde alleine beschäftigen (z. B. Spielen, Malen),
- bei kleinen Schwierigkeiten nicht gleich aufgeben,
- sich für seine Sachen und für Ordnung mitverantwortlich fühlen.

Umgang mit anderen/Soziale Fähigkeiten
- mit anderen Kontakt aufnehmen, aber auch Distanz zu Fremden halten,
- sich an gemeinsamen Tätigkeiten (auch wenn das eigene Interesse nicht so groß ist) beteiligen,
- Gefühle, Zustimmung oder Ablehnung in angemessener Form äußern,
- sich Regeln, Abmachungen, Spielregeln merken,
- beim Spiel verlieren können, Kritik ertragen können,
- die gebräuchlichen Umgangsformen wie Grüßen, Bitten, Danken kennen,
- teilen und hilfsbereit sein.

Gesundheit/Hygiene
- richtig hören,
- gut sehen (eventuell mit Brille),
- einen Vormittag ohne Übermüdung überstehen (mit den entsprechenden Pausen und Entspannungsmöglichkeiten),
- die tägliche Hygiene selbst ausführen: sich waschen, Zähne putzen, Toilette benutzen.

Quelle: http://www.joachimbroglie.de/jobro/skg-forum/arbeitsmaterial.htm     

Bearbeitet von Jeni Oprişor und Gabi Buşa

 

 

Testen und Prüfen in der Grundschule

1. Zum Begriff
Es erscheint weniger bedrohlich, wenn ein Test geschrieben werden soll, als wenn eine Kontrollarbeit angekündigt wird, weil man unter einem Test eine kurze (meist unangekündigte) Arbeit versteht. Nur der Mittelwert mehrerer Testnoten wird in den Katalog und in die Notenhefte eingetragen und den Eltern präsentiert. Getestet wird aus weniger Stoff als bei einer Kontrollarbeit und die Aufregung beginnt auch nicht Tage vorher.
Allerdings kennen nicht alle Grundschüler diese Aspekte. Im ersten Schuljahr sind sie in diesen Sachen unerfahren und befinden sich am Anfang ihrer an Test- und Prüfungsformen reichen Schullaufbahn.
Sie müssen langsam einsehen, dass es ernst gemeint ist, wenn die Lehrerin, die ihnen etwas erzählt oder erklärt, verlangt, dass sie es sich merken, weil sie es später abfragen wird. Wenn sie das aber einmal verstanden haben, ist es unmöglich, sie zu überzeugen, dass sie für sich lernen (oder fürs Leben) und nicht für gute Noten!

„Diese Anforderung, heute zu lernen, weil die Lehrerin es morgen wissen möchte und es zu fragen droht, ist eine schulische Besonderheit.”
Jens Holger Lorenz, Grundschule Mathematik Nr. 7/2005, Kallmeyer bei Friedrich in Velber, S. 4

 

Es ist wichtig, dass wir durch unser konsequentes Verhalten, was die Leistungskontrolle und Bewertung betrifft, den Schülern einige unangenehme Erfahrungen ersparen:
- deutlich zwischen Üben und Testen unterscheiden; Übungsblätter (Arbeitsblätter) nicht „doch“ bewerten und Tests unbewertet lassen, weil sie schlecht ausgefallen sind.
- den Schülern zur Bewertung mehr als nur die Note mitteilen; am besten schon beim Korrigieren der Arbeiten einige Sätze dazuschreiben (kleiner Brief an den Autor der Arbeit).
- verschiedene Arten von Leistungen der Kinder wahrnehmen und würdigen; neue Formen der Leistungsdokumentation wie Portfolios, Lerntagebücher und Eigenevaluation sollen das Notenheft ergänzen.

          Grundschulkinder und GrundschullehrerInnen bleiben von Prüfungen verschont. Zentral aufgestellte Vergleichstests werden nur in einigen Kreisen bzw. Schulen des Landes durchgeführt, also reduzieren sich formelle Prüfungen auf die Einstufungstests zu Beginn der 5. Klasse. Nun soll das Wissen und Können aller Kinder der neuen Klasse (unabhängig von der Schülergruppe, aus der sie kommen, den verwendeten Lehrmethoden und Lernmitteln, ohne Rücksicht auf Lernfortschritte einzelner Schüler) in Bezug auf Kriterien, die der Fachlehrer festgelegt hat, beurteilt werden. Beim Gedanken an diese Tests entsteht über die Eltern Druck auf Kinder und LehrerIn der 4. Klasse. Die Kinder sollen gut vorbereitet ins Gymnasium gehen, deshalb wird jetzt viel von ihnen verlangt und mehr und anspruchsvoller getestet als bisher.

Als einen Fehler betrachte ich dabei die Orientierung mancher LehrerInnen an den Ansprüchen der zukünftigen Fachlehrer und den Lehrplänen der 5. Klasse. Eine Zusammenarbeit mit dem Gymnasium soll zum Ziel haben, den Schülern den Übergang aus einer Unterrichtsstufe in die andere zu erleichtern, ohne sie zu überfordern, indem für die 5. Klasse vorgearbeitet wird.

ART. 1
Se introduce, începând cu anul şcolar 1952-1953, sistemul cifric de notare a elevilor la învăţătură şi purtare, de la 1 la 5, în locul actualului sistem de notare de la 1 la 10, în şcolile din sistemul Ministerului Învăţământului
Public ...
ART. 2
În şcolile medii tehnice, în Universităţi şi Institute de Învăţământ Superior se introduce sistemul de notare a elevilor şi studenţilor prin calificativele: foarte bine, bine, suficient, insuficient, începând din anul şcolar 1952-1953.
Sistemul de notare de la 1 la 10 se desfiinţează.
HOTĂRÂRE  nr. 1795 din 9 septembrie 1952

 

2. Leistungsbewertung heute
Für die Grundschule hat sich 1998 das Notensystem geändert. Es werden nicht mehr Ziffernnoten von 1-10 verwendet. Grundschüler erfahren, ob sie eine Aufgabe „sehr gut” oder „gut” gelöst haben, ob sie sich „ausreichend” oder „ungenügend” bemüht haben.
Um den GrundschullehrerInnen die theoretischen Grundlagen zum Thema Leistungsbewertung zu liefern, wurde 1999 vom Unterrichtsministerium ein Handbuch herausgegeben (Ghid de evaluare pentru învăţământul primar, Bucureşti 1999). Darin stehen folgende Prämissen in der Einführung:
- Die Leistungsbewertung ist für den gesamten Unterrichtsprozess wichtig, für die Lernmotivation der Schüler, sowie für die Unterrichtsplanung des Lehrers.
- Von Noten, die nicht nach genauen Bewertungskriterien ausgerechnet werden, können wir nicht auf die Leistung der Schüler und des Lehrers schließen.
- Teile der angeeigneten Kenntnisse und des Könnens der Schüler bleiben, obwohl sie für das weitere Lernen wichtig sind, unbeachtet.
Weiter wird empfohlen, die Bewertungsarbeit auf drei Etappen zu erweitern: In der ersten Etappe sollen mit Hilfe genauer Kriterien Leistungen gemessen, die Ergebnisse in Form von Noten (in der Grundschule eine verbale Aussage, ab der 5. Klasse eine Ziffer) ausgedrückt werden. In der zweiten Etappe interpretiert der Lehrer diese Ergebnisse und zieht Schlüsse über die Lernfortschritte der Schüler und über die eigene Unterrichtstätigkeit. Zuletzt erfolgt die Diagnose: Welche Faktoren haben das (positive oder negative) Ergebnis beeinflusst und wie kann Negatives vermieden werden?
Das Handbuch enthält Empfehlungen zur Aufstellung von Bewertungskriterien (Diese umfassen: Fach, Ziel, Aufgabe und Lösung, Bewertungsschlüssel und Bemerkungen.) und Beispiele für verschiedene Fächer. Die tradierten Formen der Leistungsbewertung sollen um alternative Formen ergänzt werden.

 

3. Neue Formen der Leistungsdokumentation

„Lehrerinnen und Lehrer kennen das Phänomen: Nicht alles, was ihnen im Mathematikunterricht wichtig ist, lässt sich in einer Klassenarbeit überprüfen.”
Annemarie Gubler-Beck, Grundschule Mathematik Nr. 7/2005, Kallmeyer bei Friedrich in Velber, S. 38

 

Das Portfolio
Das Portfolio umfasst ausgewählte Arbeiten eines Kindes. Das unterscheidet es von den Schul- und Hausaufgabenheften, von der „Mappe“ oder dem Zeichenblock, in denen alle Arbeiten in chronologischer Reihenfolge enthalten sind.
Der Lehrer legt fest, was dokumentiert werden soll - ein Lernfortschritt oder ein Arbeitsergebnis -, die Kinder beteiligen sich an der Aufstellung der Auswahl- und Bewertungskriterien und an der Auswahl der Arbeiten.
Das Portfolio enthält eine Bewertung der Arbeiten durch das Kind. Darin begründet das Kind seine Wahl und schätzt ein, inwiefern es die Lernziele erreicht hat. Dazu kommt ein Inhaltsverzeichnis.
Nun kann das Portfolio Familie und Freunden gezeigt werden.
Für die Bewertung durch den Lehrer bringt das Portfolio folgende Vorteile: Es stehen die besten Arbeitsergebnisse zur Verfügung und es kann differenziert und umfassend bewertet werden.

 

 


Es muss deshalb ein vornehmes Interesse des Volksschullehrers sein, wenn nur irgend möglich, alle seine Schüler bis in die oberste Klasse der Volksschule zu bringen, um dadurch auch dem Schwächsten soviel als möglich von dem Wissen der Volksschule auf seinem Lebensweg mitzugeben. Es wird deshalb bei der Beurteilung der Schülerleistungen nicht ein so streges Maß anlegen, wie dieses bei anderen Schulgattungen notwendig ist, ...
Dr. Heinz Brandsch: Der Führer im Schulamte, Verlag der Markusdruckerei in Schäßburg, 1929

 

Das Lerntagebuch
Das Pädagogische Lerntagebuch (Eiko Jürgens, Jutta Standop in Grundschulmagazin 9-10/2002, Oldenbourg Verlag) umfasst Notizen aus dem Schulalltag, die das Schülerverhalten in verschiedenen Situationen dokumentieren. Es können spontane oder systematische Beobachtungen sein, die der Lehrer festhält. Auf diese Weise beobachtet er genauer, kann anschließend besser reflektieren und Empfehlungen aussprechen und macht die Beurteilung für Kinder und Eltern transparenter.
Auch Schüler können ein Lerntagebuch führen.

Die Eigenevaluation
Für die Eigenevaluation eignen sich in einer ersten Etappe Lernbogen zur Reflektion der geleisteten Arbeit. Regelmäßig können Lernkonferenzen stattfinden, in denen die Kinder mit Hilfe von Leitfragen über ihr Lernen sprechen. Zum Schluss schreiben die Kinder ausführlich über die Leistungen der letzten Zeit oder sie stellen sich selbst Zeugnisse aus. Diese Seiten können sie in ihre Lerntagebücher einkleben.


fragebogen

 

Adriana Hermann

Verwendete Literatur:
1. Grundschule Mathematik 7/2005. Kallmeyer Verlag
2. Dr. Heinz Brandsch: Der Führer im Schulamte. Verlag der Markusdruckerei in Schäßburg, 1929
3. Grundschulmagazin 9-10/2002. Oldenbourg Verlag
4. Leistungen der Kinder wahrnehmen - würdigen - fördern. 2004 Grundschulverband - Arbeitskreis Grundschule e. V.

 

Notensystem und Bewertung in Rumänien

Auch wenn das Thema „Notensystem“ konsequent an rumänischen Universitäten im Fach Pädagogik behandelt wird, sind vielen Kollegen die pädagogischen Grund-gedanken über das Zustandekommen der Schulnoten nicht geläufig. Während Lehrer aus Rumänien das System aus Inertie dennoch einigermassen richtig anwenden, haben Gastlehrer hier besonders anfangs Orientierungsschwierigkeiten. Dies ist Grund genug, einige Grundgedanken des rumänischen Notensystems im Folgenden darzustellen.
Das heutige Bewertungssystem ist dem französischen und belgischen der Zwischenkriegszeit nachempfunden, im Zuge zweier damals und heute immer noch wirkender Einflüsse:
1. Die rumänische Elite des Altreiches pflegte bereits im 19. Jahrhundert in Paris oder an anderen Universitäten Frankreichs zu studieren. Dabei wurden zahlreiche Gepflogenheiten aus dem französischen gesellschaftlichen Leben und Elemente aus dem Schulsystem übernommen.
2. Die rumänische Verfassung von 1928 ist eine Bearbeitung der belgischen, welche damals als die modernste in Europa galt. Das Individuum - also in unserem Falle der Schüler - wurde in den Vordergrund gestellt. (Allerdings wurden die Vorgaben der Verfassung in der Zwischenkriegszeit nicht besonders gewissenhaft in die Tat umge-setzt!). Nach der Wende wurde 1991 eine neue Verfassung angenommen und 2003 novelliert. In Verbindung damit wurde 1995 ein neues Bildungsgesetz vom Parlament erarbeitet, welches im Laufe der Zeit ergänzt wurde.

Auch hat das Bildungsministerium Anwendungsbestimmungen und Verordnungen herausgegeben, die die Bewertung der Schüler vereinheitlichen sollen. Das heißt, in allen Schulen sollen ab sofort für dieselben Leistungen dieselben Noten vergeben werden (Dies ist natürlich eine indirekte Bestätigung der Tatsache, dass die Bewertung subjektiv erfolgt ist). Wie dem auch sei, gemäß der in Kraft befindlichen Regelungen erfolgt die Bewertung nicht nur nach einem einzigen Abfragen, sondern fortlaufend, um die Leistungen des Schülers möglichst objektiv zu beurteilen.
Prof. Dr. Victor Ţîrcovnicu, Leiter der Pädagogik-Abteilung an der Universität Temeswar, hat in den 60er Jahren in seinem Pädagogik-Buch über das Bewertungs-system für alle leicht verständlich geschrieben.
Es wurde empfohlen, die minimale Notenanzahl folgenderweise zu erzielen:
- eine bis zwei schriftliche Arbeiten („Kontrollarbeiten” oder „Tests”);
- ein vorangemeldetes Abfragen des Schülers;
- ein bis zwei nicht vorangemeldete Abfragen des Schülers oder seine Mitarbeit im Unterricht (dafür können 1-2 Noten gegeben werden);
- eine Semesterarbeit macht 1/2 der Mittelnote aus;
- Bewertung von besonderen Leistungen, wie etwa Referate oder Essays, etc.

Seit etwa 2-3 Jahren wurden die Bewertungskriterien etwas gemildert:
- 2-3 Mal abfragen, dann erst bewerten;
- eine bis zwei schriftliche Arbeiten („Kontrollarbeiten” oder „Tests”);
- Semesterarbeit gilt nur noch 1/4 der Mittelnote;
- Eigenbeiträge belohnen, bewerten.

    Unter solchen Bedingungen muss sich ein Schüler fast Mühe geben, um eine kleinere Mittelnote als 5 zu erhalten. Die 5 ist die „Gnadens-Note”, ein „Ausreichend”, für die der Schüler grade mal anwesend sein muss.
(Mehr zu den einzelnen Noten in der Tabelle)

Zudem sei angemerkt, dass es pädagogisch taktlos und außerdem untersagt ist, den Schülern für schlechtes Benehmen schlechte Noten zu geben. Die Noten sollen die schulischen Leistungen wiederspiegeln und nicht das Verhalten - dafür gibt es eine extra Bewertung durch den Klassenlehrer.

 

ACHTUNG TABELLE EINFÜGEN

 

Michael Szellner
Schulleiter A.-Müller- Guttenbrunn-Lyzeum Arad

 

Grundsätzliche Überlegungen zur Leistungsbewertung im deutschsprachigen Geschichtsunterricht

Um Missverständnisse zu vermeiden, möchte ich vorab zwei Einschränkungen zur Reichweite meiner Überlegungen machen:
(1) Wann immer in diesem Artikel vom „deutsch-sprachigen Geschichtsunterricht” die Rede ist, beschränkt sich dies ausschließlich auf den bilingualen Unterricht in Deutsch als Fremdsprache, der bislang von curricularen Vorgaben des Ministeriums verschont geblieben ist und daher breiten Raum zum Experimentieren bietet. Die Situation im muttersprachlichen Geschichtsunterricht ist eine völlig andere, für die meine Überlegungen keine Relevanz haben.
(2) Wer sich von den folgenden Hinweisen ein konkretes Rezept zur Leistungsbewertung im deutschsprachigen Geschichtsunterricht erhofft, wird nach der Lektüre nicht wirklich zufrieden sein können. Ich schildere lediglich die praktischen Schlussfolgerungen, die ich aus meinen knapp fünfjährigen Erfahrungen im bilingualen Geschichts-unterricht am I.-L.-Caragiale-Lyzeum in Bukarest vorwiegend in den 11. Klassen gezogen habe. Es muss jedem einzelnen Leser überlassen bleiben, wie weit er auch Anregungen für den eigenen Unterricht findet.
Bei dem Kompendium, auf das ich mich im letzten Teil beziehe, handelt es sich um die Materialsammlung „Ausge-wählte Themen der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts”, in der ich ausführlich kommentierte Bild-, Text- und Tonquellen sowie auf diese Quellen bezogene Sachtexte für den bilingualen Geschichtsunterricht zusam-mengestellt habe. Die Sammlung ist im letzten Jahr an alle DSD-Schulen des Landes verteilt worden. Bitte teilen Sie mir mit, wenn sie an Ihrer Schule nicht vorhanden sein sollte (mhiltscher@gmx.net).

Die Schwierigkeiten bei der Leistungsbewertung im deutsch-sprachigen Geschichtsunterricht lassen sich meist auf zwei grundsätzliche Fragen zurückführen. Zum einen: Welche Leistung sollte man überhaupt bewerten? Damit ist in erster Linie das Verhältnis von fachlicher und sprachlicher Kompe-tenz angesprochen. Zum anderen: Welche konkreten Formen der Leistungsmessung sollten im Unterricht zum Einsatz kommen? Hier geht es vor allem um die regelmäßige und um die einmalige Leistungsüberprüfung, den Test.

Rahmenbedingungen des deutschsprachigen Geschichtsunterrichts. Um die Frage nach geeigneten Formen der Leistungsbewertung beantworten zu können, muss man zunächst einen Blick auf die Rahmenbedingungen werfen, an denen sich der deutschsprachige Geschichtsunterricht an unseren rumänischen Schulen zu orientieren hat. Dazu gehört an erster Stelle, dass für das Fach bekanntlich nur eine einzige Wochenstunde zur Verfügung steht, so dass sich strukturierter Unterricht nur bei sorgfältiger Planung durchführen lässt. Die Verwaltung zumindest an meiner Schule legt den Unterricht in deutscher Geschichte überdies fast immer in die unattraktiven Randstunden. Anders als im Fach Deutsch wird die Klasse in Geschichte auch nicht geteilt, so dass man es selten mit weniger als 30 Schülern mit extrem unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten zu tun hat. Vielen von ihnen, so muss ich aus meiner Erfahrung resümieren, fehlen selbst in der 12. Klasse noch die sprachlichen Voraussetzungen, um eigenständig über ein historisches Thema zu sprechen. Das Interesse an deutscher Geschichte ist entsprechend gering, historische Sach-kenntnisse sind praktisch nicht vorhanden. Auch bei den rumänischen Kolleginnen ist das Fach verständlicherweise sehr unbeliebt, weil sie nicht als Geschichtslehrer (sondern als Deutschlehrer) ausgebildet sind.

          Es liegt auf der Hand, dass unter diesen Voraussetzungen deutschsprachiger Geschichtsunterricht nur mit massiv reduzierten Ansprüchen durchführbar ist, wenn man ihn nicht einfach zu einer weiteren Deutschstunde umwandelt oder ihn nicht stillschweigend ausfallen lässt. Um bilingualen Geschichtsunterricht überhaupt sinnvoll abhalten zu können, scheinen mir die folgenden Prämissen unerlässlich zu sein:

 

(a) Die Prinzipien des kommunikativen Fremdspra-chenunterrichts gelten auch im deutschsprachigen Geschichtsunterricht.Der Unterricht wird also wirklich auf Deutsch gehalten, und die Schüler müssen sprachlich aktiv sein. Es reicht nicht, ihnen im Frontalunterricht einseitig den Lernstoff vorzutragen. Nicht weniger inakzeptabel ist es, Schüler unter dem Vorwand von Projektarbeit aus dem Internet plagiierte Texte ohne kritische Auseinandersetzung referieren zu lassen. Das kommunikative Prinzip dient aber nicht nur zur Verbesserung der Sprachkompetenz, es ist auch aus fachlicher Sicht sinnvoll, denn die Schüler erwerben geschichtliches Verständnis am ehesten, wenn sie sich im Unterrichtsgespräch argumentativ mit einem historischen Thema auseinandersetzen müssen. Durch die selbstständige Erarbeitung bleiben Sach- und Methodenwissen über die nächste Kontrollarbeit hinaus im Gedächtnis verankert. Im Allgemeinen lässt sich durch aktive Beteiligung auch das Interesse der Schüler an dem Fach steigern.

(b) Die historische Quelle – sei es ein Bild, ein Text oder ein Lied – steht im Zentrum des Unterrichts.Es geht nicht darum, die Quelle nur als illustrierendes Beiwerk zum Sachtext oder zum Vortrag des Lehrers einzusetzen, sondern um die Erarbeitung von historischen Erkenntnissen mit Hilfe eines überlieferten Dokuments. Das Unterrichtsgespräch besteht in der Auseinandersetzung mit den Beobachtungen und Hypothesen der Schüler. Die Quellenanalyse ist intellektuell wesentlich anspruchsvoller, aber auch interessanter als der rein Fakten vermittelnde Unterricht, da Geschichte in ihrem Entstehen gezeigt wird. Wenn die Quelle gut ausgewählt ist, fordert sie die Schüler unmittelbar zur Meinungsäußerung heraus. Beim Einsatz von Bildern ist dies fast immer der Fall. Diese Quellenarbeit ist ein zentraler Grundsatz des modernen Geschichtsunterrichts, dessen Ziel nicht das fertige historische Wissen, sondern das aufgeklärte Geschichts-bewusstsein ist. Die Schüler müssen lernen historisch zu denken und zu argumentieren, indem sie aus einem breiten Spektrum an logisch denkbaren Deutungsmöglichkeiten mit Hilfe des Lehrers im Gespräch die plausibelste finden. Selbst am Ende wird es vielleicht mehrere Lösungen geben: Die Geschichte kennt keine abgeschlossene Deutung.

(c) Das historische Sachwissen spielt eine untergeordnete Rolle.Schon angesichts der zur Verfügung stehenden Zeit muss das Sachwissen quantitativ auf ein Minimum reduziert werden. Es ist sinnlos, einen historischen Überblick vermitteln zu wollen, wenn wesentliche Einsichten nicht von den Schülern selbst erarbeitet worden sind. Das historische Sachwissen hat seine Funktion bei der Vorbereitung oder im Anschluss an die Quellenanalyse, wenn es darum geht, die im Unterrichtsgespräch erarbeiteten Hypothesen und Ergebnisse zu verifizieren, auf ein abstrakteres Niveau zu heben und in größere historische Zusammenhänge zu stellen.

(d) Systematische Spracharbeit ist nicht durchführbar. Die Spracharbeit, der im deutschsprachigen Fachunterricht eigentlich eine zentrale Rolle zukommt, wird sich aus Zeitgründen auf unsystematische Erklärungen beschränken müssen. Davon ist auch die Fachsprache betroffen. Statt historische Fachbegriffe zu vermitteln, kann es bei unserer Wochenstundenzahl im Gegenteil nur darum gehen, sie möglichst zu vermeiden, um den Schülern ein unmittelbares Verständnis zu erleichtern.

 

Empfehlungen zur Leistungsmessung
(1) Fach und Sprache: Im Hinblick auf das Verhältnis von historischer Fachkompetenz und Sprache liegt es nach den einleitenden Bemerkungen auf der Hand, dass die Sprache grundsätzlich nicht benotet werden sollte. Wenn der Unterricht schon auf die systematische Spracharbeit verzichtet, erscheint es mir unlogisch oder sogar ungerecht, die Sprachkompetenz in die Wertung einzubeziehen. Es besteht sonst auch die Gefahr, einem sprachlich schwachen, aber historisch interessierten Schüler jede Chance auf eine akzeptable Note zu nehmen. Eine pädagogisch kluge Bewertung sollte nicht nur gerecht sein, sie sollte auch das Interesse am Fach nicht zusätzlich noch beschädigen.
Andererseits wird sich bei dem niedrigen fachlichen Niveau im Geschichtsunterricht eine sprachlich besonders gute Leistung ohnehin auch in der inhaltlichen Qualität der Antworten niederschlagen. Nach meiner Erfahrung sind sprachlich starke Schüler üblicherweise auch in ihrer historischen Kompetenz gut.
Im Unterricht sollten sprachliche Fehler nur dann verbessert werden, wenn man überhaupt sprachliche Richtigkeit erwarten kann, also am ehesten in reproduzierenden Phasen. Es ist dagegen sinnlos, Korrektheit dort einzufordern, wo die sprachlichen Mängel ein Hinweis auf intellektuelle Eigenständigkeit sind. Dies ist immer wieder der Fall, wenn der Schüler sich spontan äußert oder komplexere Sachver-halte erklärt. Ich halte es geradezu für ein Kennzeichen eines gelungenen kommunikativen Geschichtsunterrichts, wenn die Schüler die Bereitschaft zeigen, sich sprachlich frei - und das bedeutet: mit Fehlern, Pausen und Stocken bis hin zur Unverständlichkeit - im Unterricht zu äußern. Hier penibel zu korrigieren ist kontraproduktiv, da es nicht nur den Gedankengang des Schülers unterbricht, sondern eine aus historischer Sicht kompetente Antwort durch den Hinweis auf die sprachlichen Defizite in der Selbsteinschätzung des Schülers ihren Wert verliert.

2) Formen der Leistungsüberprüfung: Bei der Benotung der Schüler stütze ich mich auf drei Bereiche: die mündliche Mitarbeit, die Führung des Portfolios und den Abschlusstest. Ich akzeptiere dagegen grundsätzlich nicht die sprachlich makellosen Referate aus dem Internet, mit denen die Schüler vor Abschluss des Semesters ihre Note verbessern möchten.

Mitarbeit im Unterricht: Es ergibt sich zwangsläufig aus den Prinzipien des kommunikativen Geschichtsunterrichts, dass der mündlichen Mitarbeit im Unterricht die zentrale Rolle bei der Notenfindung zukommt. Denn in der Auseinan-dersetzung mit der Quelle und den Deutungen der Mit-schüler erweist sich die Fähigkeit, über historische Sach-verhalte zu kommunizieren. Eine elementare Voraussetzung zur Benotung ist allerdings, dass der Lehrer alle Schüler mit ihrem Namen kennt - was nicht ganz einfach ist, wenn man in mehreren Klassen Geschichtsunterricht hat, diese aber nur einmal pro Woche sieht. Es ist auch notwendig, dass sich der Lehrer einigermaßen regelmäßig Notizen über die einzelnen Schüler macht.

Führung des Portfolios: Die eigenen Aufzeichnungen der Schüler, die am besten als Portfolio in einem Schnellhefter zusammengestellt werden, spielen im deutschsprachigen Geschichtsunterricht eine wichtige Rolle, da in unserem Fach keine geeigneten Schulbücher zur Verfügung stehen. Das Portfolio ist somit die einzige Materialgrundlage für den Schüler. Aus pädagogischen Erwägungen, nämlich zur Stärkung des eigenverantwortlichen Lernens, sollte es benotet werden. Nur so verspürt der Schüler einen Anreiz zur systematischen und ordentlichen Heftführung. Die Kriterien der Note sollten Vollständigkeit, Ordnung sowie fachliche und sprachliche Korrektheit sein. Für den Lehrer hat die Benotung des Portfolios zusätzlich den Vorteil, dass er sich zum Abschluss des Semesters einen Überblick über die Lernprogression auch solcher Schüler verschaffen kann, die im Unterricht unauffällig sind.

Abschlusstest:Ein schriftlicher Test zum Abschluss des Semesters oder einer Unterrichtsreihe ist nicht nur zur Notenfindung notwendig. Er hilft den Schülern durch die dazu erforderliche Vorbereitung auch, die Ergebnisse der Einzelstunden in einem größeren historischen Zusammen-hang zu sehen. Dieser Kontext gerät bei der niedrigen Wochenstundenzahl leicht verloren, zumal ja auch der Unterricht selbst den Schwerpunkt auf die Erarbeitung der einzelnen Quelle legt, nicht auf das historische Sachwissen. Es kommt zusätzlich noch ein sprachliches Argument hinzu: Die Schüler sind nämlich kaum in der Lage, den gesamten Stoff eines Halbjahres auswendig zu lernen, so dass sie in einem Test gezwungen sind, einigermaßen selbstständig zu formulieren.

Da selbst in der 12. Klasse die wenigsten Schüler in der Lage sein werden, einen auch nur bescheidenen inhaltlichen Transfer sprachlich verständlich zu bewältigen, empfehle ich, sich bei den Fragestellungen auf eine inhaltlich mehr oder weniger reproduktive Leistung zu beschränken. Sprachlich wird dies für den Großteil einer Klasse bereits erhebliche Anforderungen stellen. Grundsätzlich wäre ein Ausweichen auf multiple choice oder andere Aufgaben-typen, bei denen nur wenig Sprache verwendet werden muss, sinnvoll, weil sie dem sprachlich schwachen Schüler entgegenkommen. Bei unseren meist beengten Raumver-hältnissen führen multiple-choice-Tests jedoch nicht zu gültigen Ergebnissen, weil die Gefahr des Mogelns einfach zu groß ist.
Bei mir besteht der Abschlusstest meist aus fünf Fragen, deren Inhalt im Unterricht schwerpunktmäßig behandelt worden ist. Eine wörtliche Wiedergabe des Stoffes nach den Textvorlagen ist praktisch nicht möglich, da die Antworten sich nicht aus der Kenntnis einer einzigen Textstelle ergeben, sondern die Informationen aus mehreren Texten zusammengezogen werden müssen.
Ein konkretes Beispiel: Im ersten Halbjahr der 11. Klasse stehen das Deutsche Kaiserreich von 1871 und die Anfänge der Weimarer Republik auf dem Programm. Der Ab-schlusstest zum Kaiserreich umfasst in meiner eigenen Materialsammlung die beiden Unterkapitel „Politik und Gesellschaft” und „Familie, Jugend, Schule”. Behandelt wurden die meisten der dort abgedruckten Quellen, insgesamt drei Bilder, ein Lied und drei Texte. Im Unterricht wurden auch die vier dazu gehörigen Sachtexte gelesen und besprochen. Im Test wurde nach der Rolle des Militärs, nach dem Leben in der Arbeiterschicht und nach den Werten in der Schule des Kaiserreiches gefragt. Außerdem war ein im Unterricht ausführlich behandeltes Foto zu beschreiben und kurz zu deuten. Bei allen Fragen konnten die Schüler in ihrer Antwort Bezug sowohl auf die Quellen als auch auf die Sachtexte nehmen.
Ich will nicht verschwiegen, dass die Noten in meinen Tests nach rumänischen Maßstäben ausgesprochen ernüchternd sind. Dass ein Viertel der Schüler eine Note unter 5 erzielt, ist keineswegs ungewöhnlich. Der Durchschnitt bewegt sich meist um 6,5. Das liegt weniger an dem objektiven inhaltlichen Schwierigkeitsgrad der Arbeit, sondern vor allem an der hohen Anzahl sprachlich inkompetenter Schüler, die nicht das moderate Anspruchsniveau erreichen, das man an das schriftliche Ausdrucksvermögen stellen muss. In einer prachlich insgesamt guten Klasse lag der Notenschnitt dagegen bei 8,5. Zum anderen spiegelt sich in den Ergebnissen natürlich auch die Tendenz der Schüler, das Fach Deutsche Geschichte beim Lernen nicht sonderlich ernst zu nehmen, wenn man nicht von vornherein mit Nachdruck die Leistungen einfordert.
Michael Hiltscher
CN „I. L. Caragiale“ Bukarest

 

 

Zusammenfassung: Adriana Hermann,
Fortbilderin ZfL Mediasch

(Bilder aus der Zeitschrift/imagini din revista)