Nr. 2 November 20012001 - Zweitsprachenerwerb im Kindergarten (II)

(Fortsetzung aus der Nr. 1 der Zeitschrift)

Das Kindergedicht

Es sollen lustige Kinderreime angeboten werden, die Kinder unmittelbar ansprechen und sie anregen, mit Sprache zu spielen. Längere Gedichte sollten höchstens vorgelesen, nicht auswendig gelernt werden. Dabei sind solche Gedichte zu empfehlen, die leicht zu verstehen sind.

Die Kastanie

Da ist ein kleines grünes Haus
und in dem kleinen grünen Haus
da ist ein kleines braunes Haus
und in dem kleinen braunen Haus
da ist ein kleines gelbes Haus
und in dem kleinen gelben Haus
da ist ein kleines weißes Haus
und in dem kleinen weißen Haus
da ist ein kleines Herzlein drin.

Ein kleiner Mann

Ein ganz kleiner Mann
- der war soo klein -
zog seinen Schlafanzug an
- der war soo klein -
ging in sein Bett
- das war soo klein -
und sagte im Bett:
Im Bett ist es nett!
Und schlief soo ein.

Die Bilderbücher

Die einfachste Form der Arbeit mit Bilderbüchern besteht darin, Kindern großflächige Bilder zu zeigen und den Inhalt mit einfachen Sätzen zu beschreiben. Bei Darstellungen von Personen oder Tieren hören die Kinder besonders gern, was diese wohl gerade sagen oder denken. Von Anfang an sollte das Kind aber nicht nur passiver Zuhörer sein, sondern zum Mitmachen angeregt werden. (z.B. naturkundliche Bilderbücher, in denen seitenweise nur Blumen, Früchte oder Tiere nebeneinander abgebildet sind, langweilen die Kinder manchmal. Lustiger wird es, wenn jedes Kind sich eine Blume „abpflücken" läßt, eine Frucht „nehmen und aufessen", ein Tier „streicheln" darf. Wenn es dabei auch noch spricht - „Ich pflücke mir ein Gänseblümchen, ich esse die Kirschen auf...." - lernt es die Namen der dargestellten Dinge. Bei Abbildungen von Gebäuden: „Ich wohne im Hochhaus, ganz oben. Ich wohne im Schloß...")

Das Erzählen und Vorlesen

(Geschichten und Märchen)

Sprachförderungsprogramme zeigten, daß das regelmäßige Vorlesen in Kleingruppen benachteiligte Kinder in der Sprachentwicklung deutlich förderte.

Einige Erzieherinnen behaupten, es sei in ihrer Gruppe fast unmöglich, etwas vorzulesen, die Kinder könnten nicht zuhören und würden auch zu wenig Deutsch verstehen.

Das „Drumherum" und die Art, wie man erzählt und vorliest, sind entscheidend. Wichtig ist auch daß das Vorlesen und Erzählen wie ein Ritual klar eingerahmt ist (z.B. einen festen Platz im Raum suchen oder eine Kerze anzünden). Durch diese Ritualisierungen und Einrahmungen werden auch die Kinder „dabei" sein, die wenig verstehen.

Durch die Geschichte lernt das Kind zuzuhören, sich zu konzentrieren, einen zusammenhängenden Text zu verstehen.

Märchen sollen sorgfältig ausgewählt und meistens verkürzt wiedergegeben werden. Erzählte Geschichten sind leichter zu verstehen als vorgelesene. Trotzdem sollte die Erzieherin den Kindern regelmäßig auch geschriebene Texte vermitteln.

Am beliebtesten sind Mitmachgeschichten die mit viel Mimik und Gestik erzählt werden, wobei die Kinder von vornherein zum Mitmachen aufgefordert werden. ( z.B. „Auf der Löwenjagd").

Das Tischtheater und die Puppenvorführungen spielen auch eine große Rolle in der Sprachförderung.

Kreis-, Finger-, Patsch-, Bewegungsspiele, Kinderlieder und Lautübungen

Der Elefant

Stapft ein dicker Elefant
durch das ganze weite Land,

(Die aufrecht stehende Faust eines Erwachsenen wird mit Klopfen
langsam über den Tisch oder den Schoß geführt)

kommt dann endlich auf mich zu,
daß ich mich schon fürchten tu.

(Die Faust dicht vor das Kind führen)

Nimmt der dicke Elefant
ganz behutsam meine Hand:

(Die rechte ausgestreckte Hand des Erwachsenen schiebt sich flach
unter eine Hand des Kindes)

Komm doch nur an dich heran,

(Öffnen der Kinderhand)

daß ich dich mit meinem langen,
langen Rüssel ein bißchen kitzeln kann.

(Kitzeln der Handfläche)

Linke Hand, rechte Hand

Als die linke Hand morgens aus dem Bett aufstand, hat sie die rechte Hand geweckt und sich zusammen mit ihr gestreckt.

So wurden beide richtig wach und freuten sich über ihren eigenen Krach.

Denn sie begannen auf die Schenkel zu patschen und laut ein neues Lied zu klatschen:

Refrain:

Klatsch klatsch patsch
Stampf (rechtes Bein)
Klatsch klatsch patsch
Stampf (linkes Bein)
Klatsch, klatsch patsch
Stampf (beide Beine).

Und als sie wieder auf die Schenkel patschten, begannen sie ihr Lied leise zu klatschen: (Refr.)

Und als sie wieder auf die Schenkel patschten, begannen sie ihr Lied langsam zu klatschen: (Refr.)

Und als sie wieder auf die Schenkel patschten, begannen sie ihr Lied schnell zu klatschen: (Refr.)

Und so wird das Spiel mit den Händen begleitet: Anfangs ballt man die Hände zu zwei Fäusten, dann geht die linke Hand auf und berührt die rechte Hand, die dann ebenfalls aufgeht. Anschließend strecken sich beide Hände in die Luft. Bei "Klatsch" klatscht man in die Hände, bei "Patsch" patscht man auf die Oberschenkel, bei "Stampf" stampft man mit den Füßen. Die Bewegungsfolge wird laut, leise, langsam oder schnell durchgeführt.

Malen und Beschreiben

Das Malen spielt nicht nur für die ästhetische Bildung sondern auch für die Spracherziehung eine wichtige Rolle. Vor dem Malen kommt das Beobachten und das gelingt leichter und besser, wenn das, was gesehen wird, in Worten beschrieben wird; oder versucht wird sich mit geschlossenen Augen an das soeben Gesehene zu erinnern.

Basteln und Erklären

Das Basteln bietet Kindern nicht nur die Möglichkeit, ihre Fingerfertigkeit zu üben und Erfahrungen mit verschiedenen Materialien zu sammeln, es kann auch einen wichtigen Beitrag zur Sprachentwicklung leisten.

Die Erzieherin sollte sich immer wieder dazu zwingen, beim Basteln auch mal die Arme zu verschränken, und nur mit Worten, nicht mit Händen zu helfen.

Auch die Kinder sollten bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufgefordert werden zu beschreiben, was sie machen oder gemacht haben. Statt „Oh, wie hübsch!" lieber fragen: „Wie hast du das hingekriegt?"; „Wie hast du die Räder so rund....?" „Überleg´ mal mit Karla, was man daraus machen könnte?" ist eine bessere Antwort als: „Moment, ich kann jetzt nicht!" oder „Du siehst doch ich habe die Hände voll zu tun!"

Sehr wichtig für unsere Arbeit ist, daß Eltern erfahren sollen, daß Sprachförderung im Kindergarten, weniger in speziellen Beschäftigungen als während des ganzen Tages stattfindet und welche pädagogischen Tätigkeiten im Kindergarten verfolgt werden.

Es sollte hauptsächlich darum gehen, Sprache in vielerlei Formen zu erleben, sei es durch Sprechen, Singen, Musizieren, Tanzen oder Darstellen. Bei der Sachbegegnung sollen die Kinder die Dinge möglichst in ihrer natürlichen Umgebung kennenlernen, sie anfassen, riechen, hören oder schmecken und in ihrer natürlichen Größe und Farbe sehen können. Der Kindergarten muß also entweder die Dinge zu den Kindern oder die Kinder zu den Dingen bringen.

Adjektive und Adverbien prägen sich am besten ein, wenn sie mit persönlichen, sinnlichen Erfahrungen verbunden sind (äh, wie bitter!).

Verben werden am leichtesten gelernt, wenn man die entsprechende Tätigkeit selbst ausführen kann: z.B. basteln, kochen, experimentieren, turnen, usw.

Erst nach diesen Erfahrungen können Spiele eingesetzt werden, bei denen die Kinder noch einmal an die neuen Wörter erinnert werden.


Weiteres zum Thema in:

Celal Aktas Fachbeitrag „Zweisprachige Kinder im Kindergarten"

Rose Götte: „Sprache und Spiel im Kindergarten", Beltz 1994

Gabi Buşa

(Bilder aus der Zeitschrift/imagini din revista)