Nr. 6 November 2003 - Änderungen im rumänischen Schulwesen

Schwerpunktthema dieser Nummer:
ÄNDERUNGEN IM RUMÄNISCHEN SCHULWESEN IN DEN LETZTEN 13 JAHREN

Was hat sich in den letzten 13 Jahren an den Lehrplänen geändert?

Schon bei einem flüchtigen Vergleich der Lehrpläne aus der Zeit vor 1990 mit den jetzt gültigen kann man antworten: Sehr vieles hat sich geändert!

Um das zu erklären schienen mir zwei Fragen bezüglich der Rolle des Lehrplans wichtig:

I. Woran orientiert er sich?

II. An wen ist er adressiert?

I. Woran orientiert sich der Lehrplan?

Stellt man die erste Frage in den Vordergrund, muss man die Lehrpläne vor 1990 mit jenen der 90-er Jahre und den jetzt gültigen vergleichen.

Für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen, die die alten Lehrpläne gar nicht kennen, möchte ich die Struktur eines Lehrplans aus der Zeit vor 1990 etwas detaillierter beschreiben und mehrere Beispiele nennen:

1. Vorwort oder Formulierung von allgemeinen Zielen (falls vorhanden):

Diese "allgemeinen Ziele" waren insgesamt der Politik der Kommunistischen Partei und den damaligen Verordnungen untergeordnet, sogar der Sportunterricht galt als "untrennbarer Teil der revolutionär-kommunistischen Erziehung der jungen Generation" und hatte zum Ziel "die Erstarkung des Gesundheits- und körperlichen Widerstandspotentials" sowie "die Erziehung der Schüler im Geiste des revolutionären Patriotismus".

2. Lernziele, Schlüsselqualifikationen, Basisfähigkeiten - wurden nur in Ausnahmefällen formuliert, zum Beispiel im Lehrplan für Chemie und Biologie. In Biologie (Klassen 5-8, Jahr 1988) wurden allerdings auch gleich die Feinziele für die einzelnen Inhalte mitgeliefert, sowie eine ziemlich detaillierte Unterrichtsgestaltung vorgegeben, wie im nachfolgenden Beispiel zu lesen ist. Inhalt: Der Stängel; Bau und Funktion; Hauptmerkmale des inneren und äußeren Baus (detailliert); dafür 3 Stunden veranschlagt; Vorgaben zur Unterrichtsgestaltung: Beobachtung zum äußeren Bau des Stängels; Querschnitt durch verschiedene Pflanzen, die in Schulhausnähe wachsen etc.; Feinziele: Auf Grund der makroskopischen und mikroskopischen Beobachtung sollen die Schüler den äußeren und inneren Bau des Stängels mit jenem der Wurzel vergleichen, sie sollen die innere Struktur des Stängels zeichnerisch darstellen...

3. Inhalte - machten 90% der Lehrpläne aus und waren von der genauen Angabe der dafür zu verwendenden Stunden begleitet. Beispiel: Deutsch Muttersprache (Klasse 7, Jahr 1984): Detlev von Liliencron, Heidebilder; dazu: Die Anschaulichkeit der Dichtersprache - zusammen 2 Stunden. Oder: Syntax: Das Subjekt - eine Stunde.

Außerdem war genau festgesetzt, wie viele Stunden für Vermittlung neuer Kenntnisse, Wiederholung, Trimesterarbeiten, aber auch für bestimmte Stundentypen wie Aufsatz, Laborstunden, Kontrolle der Zusatzlektüre verwendet werden sollten.

Was mir noch sehr wichtig erscheint in diesem Zusammenhang, ist die Erwähnung der Lehrbücher, die vor 1990 entstanden. Sie spiegelten exakt die Inhalte der jeweiligen Lehrpläne bezogen auf die Unterrichtssituation. Im Klartext: Hatte man das Lehrbuch "durch", so hatte man auch den Lehrplan "erfüllt". Man konnte seine Stoffverteilungspläne fast in allen Fächern nach dem Lehrbuch allein schreiben, der Lehrplan war gerade noch für die Bestimmung der einzelnen Stundentypen (z.B. Wiederholung) notwendig.

Lehrpläne in den Jahren 1993 bis 1997

Erste Versuche, die Lehrpläne zu reformieren gab es in den Jahren 1993-1994. Ein Beispiel dafür ist:

1. Allgemeine Ziele, zum Beispiel im Lehrplan für Rumänisch, Lyzeum: Kenntnis der wertvollsten Werke und Autoren der Rumänischen Literatur und deren Eingliederung in den Kontext der nationalen und universalen Kultur.

2. Lernziele, am Beispiel des Lehrplans für Rumänisch, Lyzeum, 1994: Die Schüler sollen befähigt werden:

- die Latinität und die Besonderheit der rumänischen Sprache im Kontext der romanischen Sprachen erklären zu können;
- das literarische Werk aus der soziologischen, philosophischen, psychologischen und linguistischen Sicht interpretieren zu können etc.

3. Aufteilung der Stunden, zum Beispiel Rumänisch, 1994, Klasse 9: Begriffe der Literaturtheorie - 26 Stunden; Literarische Epochen, Persönlichkeiten und Werke der rumänischen Literatur - 41 Stunden usw. Das Gleiche für alle 4 Klassen des Lyzeums, anschließend werden einige allgemeine Evaluationskriterien genannt, sowie Bemerkungen zu den Inhalten.

4. Die Inhalte sind immer noch auf eine bestimmte Stundenzahl festgesetzt, als Beispiel führe ich den oben genannten Rumänisch-Lehrplan an: Rumänische Literatur und Kultur im 17. Jahrhundert - insgesamt 9 Stunden. Es folgt die genaue Angabe der zu erwähnenden Autoren und Persönlichkeiten, die man beliebig auf 4 Stunden verteilen kann, danach sind 2 Stunden Aufsatz mit vorgegebenem Thema vorgesehen und 3 Stunden für Dimitrie Cantemir, einschließlich der Angabe eines seiner Werke.

Dazu muss noch hinzugefügt werden, dass in mehreren Lehrplänen von einer Entfrachtung der Inhalte gesprochen wird, obwohl faktisch aber nur sehr wenig reduziert und oft einige Inhalte durch andere ersetzt wurden, ohne den Gesamtumfang nennenswert zu ändern.

Lehrpläne nach 1997

Ein wirklicher Einschnitt in der Entwicklung aller Lehrpläne ist erst in den Jahren nach 1997 erfolgt (in Mathematik ab 2001), wobei die Änderungen allerdings hauptsächlich die Struktur betreffen. Diese sieht, fast einheitlich in allen Fächern, in der unten angeführten Weise aus (die Beispiele in Klammern sind wiederum dem Lehrplan für Rumänisch entnommen, Klasse 9, 1999):

1. Allgemeine Ziele: Entwicklung der Fähigkeit der Schüler, schriftliche und mündliche Texte verschiedener Sorten zu verstehen und zu produzieren.

2a: Lernziele, den allgemeinen Zielen untergeordnet: Der Schüler wird fähig sein, seine Reaktionen auf die Rezeption literarischer Texte mündlich oder schriftlich zu äußern etc.

2b: Beispiele zur Unterrichtsgestaltung: Übungen zu Inhaltsangaben, Referaten etc.; Argumentationsübungen bei der Rezeption der literarischen Texte.

3. Inhalte: Für jedes Fach gilt etwas anderes, die Beispiele hier sind dem Rumänisch-Lehrplan entnommen.

Die Inhalte für Rumänisch sind auf drei Bereiche aufgeteilt (Literatur, Sprache und Kommunikation und Begriffsbestimmungen), die miteinander eng verzahnt werden. So werden zum ersten verbindlichen Punkt in Literatur, "Die Welt der Bücher", sechs Themenkreise vorgeschlagen, innerhalb derer es Auswahlmöglichkeiten gibt, zum Beispiel Abenteuer, Reisen oder Fantastische Welten. Verbindlich sind für jeden der sechs Themenkreise jeweils zwei literarische Texte, vor zugsweise aus verschiedenen Epochen, Prosa oder Lyrik, rumänische oder Universal-Literatur. Es folgen, zur Orientierung für den Lehrer, Beispiele von Autoren und Werken, die man auswählen kann. Im Bereich Sprache und Kommunikation wird u.a. die Produktion von mündlichen und schriftlichen Texten, darunter die Inhaltsangabe als verbindlich angegeben, als Begriffsbestimmung: Aufbau eines Textes, Fiktion, u.s.w.

Auf Grund der angeführten Vergleiche des Aufbaus und der Struktur der Lehrpläne hat sich in den letzten 13 Jahren bei den Lehrplänen, in deren Aufbau und Struktur, der Schwerpunkt von den Inhalten zu den Zielsetzungen verschoben. Die Jahre 1997-1999 stellen den Wendepunkt dar.

Die Lehrpläne leiden unter Stofffülle. Diese bringt in den meisten Fächern eine Überbelastung der Schüler mit sich, die sich aber automatisch schützen lernen. Durch Oberflächlichkeit und Minimalaufwand gelingt es den meisten sich durchzuschlagen, sehr zu unserem Leidwesen. Oft blicken wir auf unsere gut vorbereitete Stunde zurück und fragen uns, was wir denn falsch gemacht haben, oder wissen nicht, wann wir denn diesen oder jenen, für die Schüler wichtigen Aspekt vertiefen sollen, wo noch so viele Inhalte darauf warten, vermittelt zu werden.

II. An wen ist der Lehrplan adressiert?

Adressat eines Lehrplanes ist natürlich der Fachlehrer, der anhand desselben seinen Unterricht plant. Welche Kategorie von Lehrer allerdings sich von welcher Art von Lehrplan eher angesprochen fühlt, müsste auch näher betrachtet werden.

Nehmen wir zunächst den Lehrplan aus der Zeit vor 1990. Der Lehrer bekommt sämtliche Informationen vorgesetzt: detaillierte Inhalte mit festgesetzter Stundenzahl, dafür nur sehr allgemeine Ziele, die zu erreichen eher eine Sache der Interpretation als eine der Nachweisbarkeit ist. Seine Aufgabe ist es allein, die Inhalte pädagogisch so aufzubereiten, dass der Schüler sie verstehen und lernen kann. Dass dieser sich dabei bestimmte Fertigkeiten aneignen, Schlüsselqualifikationen erwerben, seine Persönlichkeit frei entfalten müsste - dem musste nicht Rechnung getragen werden. Sind dem Schüler die Inhalte vermittelt, beispielsweise aus welchen Elementen das Wasser besteht; in welchem Prozentsatz Wasser auf der Erde vorhanden ist, usw. ist es nur noch für wenige Lehrer wichtig, dem Schüler ein verantwortungsbewusstes Verhalten beizubringen. Denn der Schüler sollte doch verinnerlichen, dass Wasser nur in begrenzter Menge da ist, und man damit bewusst umgehen muss. Ich glaube, diese Lehrpläne sind/waren für ganz junge, völlig unerfahrene und in isolierten Ortschaften lebende Lehrer nicht schlecht, weil sie ihnen in der Zeitplanung der Inhalte entgegenkamen und man "nichts falsch machen" konnte. Aber auch viele erfahrene Lehrer trauern diesen Lehrplänen nach: War es nicht viel bequemer so? Man musste nicht überlegen, welches Beispiel für einen bestimmten Inhalt besser war, ob die Klasse gut oder schwach war und ob deshalb vielleicht ein anderes Werk als "Dr. Faustus" als Beispiel für ein "Volksbuch" - das musste nicht hinterfragt, das musste eben "durchgenommen" werden, kommentarlos, es stand ja im Lehrplan und war im Schulbuch enthalten!

Die Lehrpläne der Jahre 1993-1994 versuchten eine Modernisierung, ohne aber im Kern eine Änderung zu erreichen.

Etwas großzügiger war man lediglich in der Vorgabe der Stundenzahl: Diese war in den meisten Fächern für etwas größere Themen angegeben, nicht mehr für die kleinsten Inhalte, und es wurden zumindest klare allgemeine Ziele formuliert. Damit entsprachen jene Lehrpläne einer Kategorie von Lehrern, die keineswegs in der Minderheit sind: Jene erfahrenen Lehrer, die zwar nach außen hin modern und am Schüler orientiert scheinen wollen, im Grunde genommen aber nur das Abhaken von Inhalten zum Ziel haben, auf sich selbst als Zentralfigur des Unterrichts nicht verzichten wollen oder können und auch nicht auf ihre Bequemlichkeit. Die jungen, wenig erfahrenen Lehrer tun hingegen häufig das, was sie selber als Schüler erlebt haben…

Mit den neuen Lehrplänen ist es nun so ziemlich dahin mit der Bequemlichkeit. Zumindest einmal muss doch jeder Lehrer selber überlegen, welche Beispiele er für welche Inhalte wählt, wo er Schwerpunkte setzt, wie er die Schüler dazu bringt, bestimmte Fertigkeiten nachweisbar zu erwerben, eine eigene Meinung zu äußern in einem neuen Kontext. Ob die Schüler auch "gelernt" haben, ihre eigene Überzeugung zu leben, wird sich sowieso erst nach Jahren zeigen.

Diese Überlegungen habe ich bewusst etwas krass und ungenügend differenziert formuliert. Ich glaube auch nicht, dass man Lehrer in voneinander deutlich abgrenzbare Kategorien einteilen kann, auch nicht, dass wir erfahreneren Lehrer nichts mehr an unserer Einstellung ändern können. Mein Hauptziel war, mir zunächst selber Gedanken zum Thema zu machen und vielleicht auch andere zu bewegen, dasselbe zu tun. Viel Spaß dabei!

Christine Manta-Klemens
Stellvertretende Generalschulinspektorin des Kreises Hermannstadt

Die Einstellung der Eltern gegenüber der Schule

Welche Rolle spielen Eltern aus der Sicht der Schule?

Eltern sind Leute, deren Kinder die Schule besuchen. Sie sind also einerseits die "Rohstofflieferanten" der Schule, andererseits werden von ihren Steuern auch die Gehälter der Lehrer bezahlt. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule ist dabei nicht immer spannungsfrei und unproblematisch - aus der Lehrerperspektive betrachtet.

Lehrer und Eltern sind als Partner gleichermaßen an der Erziehung der jungen Generation interessiert und beteiligt, jeder Teil in spezifischer Art und Weise. Eltern und Schule bemühen sich, Kommunikation und Kooperation ständig zu verbessern. Das klingt gut, aber darauf sollte frau/man sich als Frau/Mann der Schule nicht verlassen.

Eltern sind übrigens eine sehr gemischte, also heterogene Gesellschaft. Das weiß jeder Klassenlehrer, nachdem er im Katalog der Klasse die Rubrik mit Daten über die Eltern ausgefüllt hat. Die einen sind Akademiker, andere sind eher einfache Leute; die einen haben in den letzten Jahren ganz schön Geld gemacht, die andern sind Arbeitslose oder Rentner, die meisten von ihnen sprechen Rumänisch, aber einige wenige auch Deutsch.

Es gibt nicht D I E Eltern und somit auch keine einheitliche Einstellung der Eltern gegenüber der Schule. Am schwierigsten gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Eltern, die auf alle Ideen von Pestalozzi und seinesgleichen pfeifen und alles auf die einfache Formel bringen: Die Schule sollte ein möglichst elastisches Sprungbrett sein für den Start ihrer Kinder in eine steile Karriere, zu einem lohnenden Posten in unserer jungen Marktwirtschaft oder noch besser in der etablierten Marktwirtschaft des Westens. Aus der Sicht dieser Leute hat die Schule zu viele (weil einige unnütze) Lehrfächer, zu viele (weil einige unfähige) Lehrer, der Schultag hat zu viele Stunden und überhaupt könnte alles viel einfacher und effizienter darauf ausgerichtet werden, ihren Kindern die entsprechende "Stromlinienform" für die sichere Passage durch alle Arbeiten und Prüfungen zu verpassen. Dabei werden die Lehrer mit einiger Herablassung taxiert, da sie doch einen notorisch schlecht bezahlten Job ausüben und mit ihrem Getue in der Schule eventuell den Privatunterricht der Sprösslinge zeitlich stören. Solidarisch mit andern Eltern sind diese Leute kaum, eher heißt es da: Probleme machen doch immer die Kinder der anderen.

Es gibt andere Eltern, die etwa dasselbe meinen, aber im Umgang mit Schule und Lehrern diplomatischer vorgehen. Da gibt es in der Regel für alles schulische Treiben nur höchstes Lob. Einige kleine, ärgerliche Umstände oder Zwischenfälle sind dann manchmal zufällig gerade dem eigenen Kind passiert (eine schlechte Note, eine unentschuldigt versäumte Stunde, eine Verwarnung) - und ließen sich doch mit einigem Wohlwollen aus der Welt schaffen. Ehe man sich versieht, kann man als Klassenlehrer vom Freund zum Komplizen werden. Eltern sehen sich natürlich nicht nur als Ernährer, sondern auch als Erzieher ihrer Kinder. Dabei missachten sie gewöhnlich in ganz sträflicher Weise den einfachen Grundsatz, dass nämlich ihr eigenes Leben und Verhalten ihren Kindern der erste und wichtigste moralische Wegweiser ist. Die meisten Eltern haben in Wirklichkeit zu wenig Zeit für ihre Kinder, sie schuften zwar für deren leibliches Wohl, aber in vielen Familien sind Fernseher und Computer beinahe zu so etwas wie zu einer "Erziehungsinstanz" anstelle der Elterngeworden.

Entsprechend hoch, aber auch widersprüchlich sind die Erwartungen der Eltern bezogen auf die "Leistungen" der Schule: Sie möge doch schnell und schmerzlos alle die moralischen Prinzipien "implementieren", die in der Familie unter den Tisch fallen.

Man kann als Lehrer immer wieder staunen, wie wenig die meisten Eltern ihre eigenen Kinder kennen. Sie bleiben offenbar zeitlebens bei dem Bild des kleinen braven Töchterchens oder Söhnchens, wenn diese sich schon längst von dem Klischee verabschiedet haben. Eltern sehen ihre Kinder so, wie sie sie gerne haben möchten. Daher ist auch nicht viel los mit dem Generationskonflikt: Eltern und Kinder leben oft in parallelen Welten, die sich äußerlich überschneiden, doch innerlich kaum berühren.

Entsprechend groß ist das Staunen und wird zum Misstrauen gegenüber der Schule, wenn sich der Nachwuchs beim Lernen nicht gerade glänzend behauptet oder sich beim Schulausflug verhaltensauffällig benimmt. Schuldzuweisungen der Familie an die Schule sind die regelmäßige Folge. Zwischen Romantik und Aufklärung steht der Schüler als lachender Dritter. Und man muss wohl dem Schüler neidlos die Fähigkeit zugestehen, ein perfektes Doppelleben zu führen.

Schule ist bekanntlich ein Ort der Erziehung, der Bildung und der Ausbildung. Der gewissenhafte Lehrer sucht stän dig, ein Gleichgewicht dieser Komponenten zu erreichen. Was aber wollen die Eltern? Für gute Erziehung und Menschenbildung kann man sich in der Marktwirtschaft nicht viel kau fen. Gefragt ist also eine zielgerichtete Ausbildung und weil das Unterrichtsministerium vor jede höhere Stufe der Schule eine Prüfung gesetzt hat, ist das Ziel auch recht genau lokalisiert. Was also erwarten die Eltern von der Schule? Viele gute Noten, die Fähigkeit der Schüler möglichst reibungslos durch alle diese Prüfungen zu rutschen, um am Ende die schönen gestempelten Zeugnisse und Diplome zu erhalten, mit denen man ja weiterkommt. Und es können die meisten Eltern nicht einsehen, warum manche Lehrer eine so einfache Rechnung nicht verstehen. Weil aber keine Schule diesem Ideal der Eltern vollkommen entspricht, muss der Privatunterricht herhalten. Was dann allerdings etwas ins Geld geht, wobei die normale Schule in den Köpfen der Leute logischerweise so viel wert ist, wie viel sie kostet.

Es scheint manchen Eltern auch unverständlich, wieso man sich in den Schulen immer noch Illusionen hingibt. Kinder sind unterschiedlich, sollen aber gleiche Chancen haben und die sollen mit gleichen Mitteln, Methoden und Rahmenbedingungen erzielt werden. Dass das nicht funktionieren kann, ist einleuchtend, weil doch niemand glauben wird, dass ein Lehrer mit 30 Kindern pro Klasse in einer Unterrichtsstunde gleichzeitig auf 30 verschiedenen Schienen fahren kann. Das gesunde Konkurrenzdenken mancher Eltern ist von solchen zwiespältigen Überlegungen bzw. Gegebenheiten aber nicht angekränkelt. Aus ihrer Sicht würde es genügen, wenn der eigene Sprössling bevorzugt behandelt wird. Weil aber jeder gewissenhafte Lehrer denkt, dass er für alle Schüler da sei, macht ihn das zur tragischen Figur. Es wäre aber sicher ungerecht anzunehmen, dass alle Eltern ein eigennütziges oder widersprüchliches Verhältnis zur Schule haben.

Es wird wohl so sein, dass bei allen unbewusst auch die Erinnerung an die eigene Schulzeit durchschimmert. Denn wenn man als Frau/Mann der Schule nur lange genug durchhält, dann erscheinen eines Tages die einstigen Schüler auf der Elternliste. Eltern und Schüler sind also letztendlich dasselbe Problem, nur zeitlich verschoben. Sie kommen und gehen, wie Züge durch den Bahnhof, aber die Schule bleibt.

Hans Birk
Lehrer am Brukenthalgymnasium, Hermannstadt

Was Lehrer meinen

Mittels Fragebogen wollten wir von Kolleginnen und Kollegen erfahren, was sich Ihrer Meinung nach im rumänischen Schulwesen in den letzten 13 Jahren geändert hat, was unverändert geblieben ist und wie sie die Lage einschätzen. Es wurde auch gefragt, was sich ihrer Meinung nach noch ändern müsste und warum. Hier folgt eine Zusammenfassung der 39 aus Hermannstadt, Mediasch, Kronstadt, Temeswar, Lugosch, Reschitza, Karansebesch und Bukarest eingegangenen Fragebogen. Wir bedanken uns bei allen, die sich die Mühe gemacht haben, über die vergangenen 13 Jahre nachzudenken und ihre Gedanken schriftlich festzuhalten, aber auch bei denen, die uns beim Austeilen und Wiedereinsammeln der Fragebogen geholfen haben.

Zu den Lehrplänen

Manche Änderungen werden als positiv befunden, so jene am Lehrplan für Deutsch als Muttersprache: Er "bietet dem Lehrer die Möglichkeit, von den Vorlesungen zu einer Aktivierung der Schüler im Unterricht überzugehen. Der Lehrplan ist lockerer, der Lehrer hat die Freiheit, Autoren und Werke zu bestimmen und mit dem Schüler auch in Projektarbeit oder Eigenarbeit Schwerpunkte der Literatur zu erörtern. Der Schüler hat mehr Möglichkeiten, sich selbst einzubringen. Auch kann die Kreativität der Schüler und Lehrer mehr gefördert werden."

Zum selben Lehrplan gibt es aber auch negative Meinungen, da er nicht berücksichtige, dass inzwischen Deutsch meistens nicht mehr die Muttersprache der Schüler sei.

Die Mehrheit der Lehrenden, unabhängig vom Fach, befindet jedoch: Die Lehrpläne sind nach wie vor überlastet, sie bieten zu wenig Raum für die Anwendung des Gelernten und für Kreativität. Deshalb müssten sie geändert werden. Manche Inhalte seien überflüssig und wenig praxisbezogen, schreibt eine Lehrerin. Für das Fach Physik, so ein Lehrer, würden sich die Änderungen der Inhalte "an guten Schulen" positiv auswirken, an den anderen negativ.

Wegen der vollen Lehrpläne finden einige Kollegen die Wahlfächer überflüssig. "Optionale - Muss das sein?" fragt sich jemand. Es seien auch ohne die Wahlfächer mehr als genug Unterrichtsstunden vorhanden. Andererseits wird der Mangel an Kontinuität zwischen den Lehrplänen der Grundschule und jenen der Klassen 5-8 beklagt.

Lehrbücher und andere Lehrmittel. Ausstattung der Schulen

Einerseits seien die Bücher vom Layout her besser, das Papier ist schön und die Graphik spricht den Leser an, der Inhalt sei auch "besser". Andererseits finden wir Aussagen wie: "Unsere Deutschbücher sind sehr gut, aber leider nur die. Die Mathematikbücher finde ich katastrophal, am schlimmsten Mathematik II. Klasse, Aramis Verlag, von der deutschen Sprache gar nicht zu reden. Schuld daran ist die Kommission, die diese Bücher ausgewählt hat. Das sind konservative, [...] ahnungslose, inkompetente Lehrer [...]"

Manche Lehrbücher überfordern die Schüler, weil sie in einer komplizierten Sprache geschrieben sind und zu einem Thema auch nicht immer das Wichtigste enthalten. In diesem Zusammenhang werden die Geschichtsbücher erwähnt. Manche Schulbücher seien einfacher geworden, und es gäbe für manche Fächer auch reichlich Bücher und Arbeitshefte. Für andere enthalten die Bücher zu wenig Übungen. Die Lehrer verlangen mehr Anschauungsmaterial, mehr Arbeitshefte, Mathematik- und Textsammlungen, die diese Lücke füllen.

Jemand meint, man könne heute zu einem bestimmten Thema mehr Informationen und Materialien finden als früher.

Es sei gut, dass für dasselbe Fach mehrere Lehrbücher vorhanden seien, schreibt ein Lehrer. Er bedauert nur, dass deutschsprachige Bücher meist nur in einer Variante vorliegen. Ein anderer Kollege findet allerdings, es gebe zu viele Lehrbuch-Varianten (offenbar sind hier die rumänisch-sprachigen gemeint).

Zu den negativen Aspekten gehört, dass die Lehrbücher (bis zur 8. Klasse) in den Schulen nicht für alle Schüler ausreichen und man sie im Handel oft nicht erhalten kann. Falls doch, dann sind sie sehr teuer. Eigentlich sollte es "billige Lehrmittel geben, weil man viel Zeit braucht um sie selbst anzufertigen", und die Lehrer sollten "Lehrbücher kostenlos bekommen", man könne nicht erwarten, dass sie alle Bücher kaufen.

Wie sieht es mit der Ausstattung der Schulen aus? "Die neuen Methoden verlangen", dass die Klassenräume neu ausgestattet werden, zum Beispiel sind Computer, eine Leseecke oder eine Klassenbibliothek unentbehrlich. Manche Schulen haben moderne Geräte, wenn auch nicht in genügender Zahl. Aber die Bedingungen in vielen Schulen seien eher schlechter geworden und "es ist unmöglich richtig zu arbeiten". Besonders in den Labors soll es an Material fehlen, "für den Physikunterricht gibt es keine Experimentiergeräte" - so der Befund eines Kollegen.

Die übrigen Aussagen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Es gibt noch Klassenräume mit alten Möbeln und Turnsäle, in denen nichts geändert wurde. Viele Schulen haben Probleme mit der Heizung, aber auch die Gebäude sehen außen und innen schlecht aus, "weil Schulen unterfinanziert werden". Dass die Schulen nun zur kommunalen Verwaltung gehören, habe gute und schlechte Seiten. "Alles ist sehr teuer, die eigene Tasche hält es nicht mehr aus, Sponsoren spenden ungern, weil das Gesetz so ist, wie es ist." Eine Lehrerin: "Man müsste eine neue Schule bauen ..."

Die Lehrer und ihre Arbeit

Als positive Veränderungen werden angeführt: eine große Anzahl unterschiedlicher Unterrichtsmethoden, eine gute Arbeitsatmosphäre, Unterricht von guter Qualität. Kleinere und größere Projekte werden durchgeführt, auch in Zusammenarbeit mit anderen Schulen und Kindergärten. Es ist möglich an Fortbildungsveranstaltungen in Rumänien und im Ausland teilzunehmen, sich mit Lehrern aus Deutschland auszutauschen.

Leider sei es noch nicht klar, was, wo und wie viel der Lehrer an Fortbildung machen muss. Damit kommen wir zum Bereich der negativen Äußerungen: Die Lehrer werden nach wie vor schlecht bezahlt, so dass sie "Nebenjobs suchen und wenig Zeit haben". "Schlecht bezahlte Lehrer sind auch nicht motiviert gute Arbeit zu leisten" und "ohne Bezahlung wird mit den Schülern kaum noch etwas organisiert. Die Lehrer sind nicht mehr bereit zu außerschulischen Tätigkeiten."

Andere bemühen sich hingegen, modern zu unterrichten, für Neues offen zu sein und sich fortzubilden. Deshalb meinen einige Lehrer, man sollte für die wirklich geleistete Arbeit bezahlt werden. Die Lehrer der deutschen Grundschulklassen, zum Beispiel, leisten Überstunden, die nicht bezahlt werden. Alle sind dafür, dass die Lehrer besser entlohnt werden sollten. "Gute Lehrer sind ausgewandert oder in die Privatwirtschaft gegangen. Wer will noch Lehrer sein?"

Der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften wird bedauert, aber auch, dass die Ausbildung mangelhaft ist und manche Lehrer keine Ahnung von Unterrichtsmethoden haben. Es heißt, Lehrerstellen würden nicht immer nach Kenntnissen und Fähigkeiten zugeteilt. Es gäbe Lehrer, die bestechlich seien, und Lehrer, die nicht bereit seien, ihre Arbeitsweise zu ändern. Es würde im Unterricht zu viel Theorie vermittelt, die praktischen Anwendungen kämen zu kurz. Viele würden sagen: "Man sollte..., man müsste", wenige "Ich sollte..., ich müsste..."

Ein Kollege ist der Meinung, der Lehrer brauchte mehr Freiraum um kreativ zu werden. Viele behaupten, sie müssten sehr viel Papierkram erledigen, komplizierte Stoffverteilungspläne aufstellen und Portfolien vorbereiten. Zum Zwecke ihrer Bewertung würde es reichen, "den Leistungsstand der Schüler [zu] prüfen".

Die Schüler und ihre Einstellung zum Lernen

Wie sehen die Lehrer die Schüler? Unterschiedlich. "Schüler sollen lernen, nicht denken" - diese Auffassung sei längst überholt. Unverändert sei der Wissensdurst der Kinder geblieben, sie hätten eigene Meinungen, die sie vertreten, sie zeigen Eigeninitiative und sind kreativ - das stellt eine Grundschullehrerin fest, während über größere Schüler folgendes geschrieben wurde: "Die Einstellung der Schüler zum Lernen hat sich grundsätzlich geändert. Die Freude an neuen Erkenntnissen ist kaum vorhanden. Neues Wissen wird oft als lästig und unnötig empfunden ..." Die Schüler meinen, sie würden im Leben auch ohne Schule zurechtkommen. Die Schüler lesen weniger, sie sitzen lange vor dem Computer. "Es ist schwierig, bei den Schülern Höflichkeit auch untereinander, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein für andere festzustellen". Die Disziplin der Schüler hat nachgelassen. Sie sind freier, aber auch einsamer, "Handyabhängiger". Ein Lehrer meinte, sie würden überall auf der Welt gleich sein, "kleiden sich wie die Araber und rauchen wie die Türken".

Die Schülerzahl je Klasse war zunächst kleiner geworden, dann aber für Gymnasial- und Lyzealklassen wieder höher. "Es sollten höchstens 20 Kinder in einer Klasse sein", wünscht sich eine Lehrerin. "Dann könnten sie sich die meisten Kenntnisse in der Klasse aneignen". Auch die Kindergärtnerinnen haben weiterhin sehr viele Kinder in ihren Gruppen.

Die Uniform wurde abgeschafft, so viel wird darüber auch nicht mehr diskutiert. Ein Argument für die Abschaffung: "Nun können Kinder Geschmack für Kleidung entwickeln und werden nicht mehr zur Gleichheit gezwungen".

Es gibt kaum noch Schüler mit Deutsch als Muttersprache, aber "es gibt noch immer sehr viele gute Schüler."

Gliederung des Schuljahres, Stundentafel

Die vielen Änderungen, die es von einem Schuljahr zum anderen gibt und die immer sehr spät mitgeteilt werden, verwirren Lehrer, Schüler und Eltern. Manche finden die Gliederung des Schuljahres in zwei Semester gut, sie sei "dem russischen Modell der Trimester” vorzuziehen. Weniger gut sei aber, dass das zweite Semester so lang ist und die Schüler erschöpft seien. Vorgeschlagen wird, bis Weihnachten mit den Semesterarbeiten fertig zu werden, danach aber noch drei Wochen zur Verfügung zu haben, um Projekte durchzuführen. Das zweite Semester sollte erst Anfang Februar beginnen.

Die Herbstferienwoche für Grundschüler ist sehr willkommen, aber nicht, dass manche Ferienzeiten gekürzt worden sind. Auch mit der Verteilung der Ferien auf das Schuljahr sind nicht alle Lehrer zufrieden. Die Sommerferien könnten kürzer sein. Die Gliederung des Schuljahres zu Minister Margas Zeit blieb manchem in positiver Erinnerung: "... in der Zeit von Marga - ja".

Über die Wahlfächer freuen sich viele, einige empfinden sie jedoch als Überforderung. Die Wochenstundenzahl sei ohnehin groß. Man könne zwischen Religion und Ethik wählen, um die Stundenanzahl ein wenig zu reduzieren. Schönschreiben müsste wieder unterrichtet werden, "weil die Kinder unordentlich schreiben", ebenso Biologie in den Philologie-Klassen, "mindestens 1 Stunde pro Woche".

(Fortsetzung auf Seite 19)

In manchen Kindergärten werden die Erzieherinnen verpflichtet viele verschiedene "Aktivitäten" pro Tag durchzuführen; da bleibt den Kindern wenig Zeit zum Spielen.

Ein Vergleich unserer Stundentafel mit jenen aus anderen Ländern würde vielleicht aufschlussreich sein, meint ein Kollege.

Bewertung und Prüfungen

Die Bewertung in der Grundschule finden manche "zu allgemein" und den Übergang in die fünfte Klasse, in der mit Zahlen-Noten bewertet wird, zu krass. Andere finden die jetzigeDie neuen Formen der Aufnahme ins Lyzeum finden die Lehrer nicht besser. Statt des Eignungstestes hätten sie lieber die alte Aufnahmeprüfung. Die heutigen Prüfungen würden nicht immer korrekt durchgeführt, die Testvarianten seien zu einfach und man könnte deshalb kaum feststellen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei den Schülern tatsächlich vorhanden seien.

Bewertung für Grundschüler sehr gut, meinen sogar, es sollte in Religion, Ethik und in den Wahlfächern überhaupt keine Noten geben, damit die Schüler locker und mit Spaß lernen.

Für die älteren Schüler verwandelt sich die Schulzeit in eine "Notenjägerei ohne Grenzen", denn alle Noten sind wichtig beim Übergang in die nächste Schulstufe. Es wäre besser, wenn die Durchschnittsnoten der einzelnen Schuljahre nicht zählen würden. Man solle stattdessen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten prüfen. "Im mündlichen Abitur werden große Noten vergeben - was den Unterschied in den Leistungen der Schüler verwischt - sehr zu Ungunsten der sehr guten Schüler." Die Tests müssten sorgfältiger vorbereitet, besser übersetzt und die Fragen den Lehrplänen entnommen werden.

Die neuen Formen der Aufnahme ins Lyzeum finden die Lehrer nicht besser. Statt des Eignungstestes hätten sie lieber die alte Aufnahmeprüfung. Die heutigen Prüfungen würden nicht immer korrekt durchgeführt, die Testvarianten seien zu einfach und man könnte deshalb kaum feststellen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten bei den Schülern tatsächlich vorhanden seien.

Der Rahmen

"Es verändert sich wenig", stellt jemand fest. Eine Lehrerin meint, von den Änderungen seien einige sogar schon rückgängig gemacht worden. Jedenfalls werde viel über Ände rungen gesprochen. "Zur Zeit von Unterrichtsminister Andrei Marga hat man wirkliche Reformpläne erkennen können." Danach habe sich dauernd etwas geändert, was man selten rechtzeitig erfahren habe; das hätte "viel Durcheinander" ergeben. Es scheine, als ob es eine "langfristige Planung" im Ministerium nicht gebe. Obwohl über die Reform bis einschließlich 2010 geschrieben würde, sei es oft nicht klar, was in der nächsten Woche geschehen soll.

Gleich mehrere Lehrer werfen den Politikern und dem Unterrichtsministerium Unfähigkeit vor. Es sollten sich "die Ministerialbeamten von den Politikern nicht einschüchtern oder beeinflussen" lassen, nur um ihre Stellen zu behalten. Sie seien oft nicht gerecht, "wenig praxisverbunden", hätten kaum Kenntnis über die Schülerschaft und würden "ohne Wissen entscheiden".

Andererseits sei das Schulsystem nicht mehr so starr. "Es gibt keine politische Erziehung mehr" und "der ideologische Druck auf Lehrer und Schüler ist gewichen". Aber die Führungskräfte seien autoritär geblieben, "sie akzeptieren die Meinung der anderen nicht", fragen oft gar nicht danach. Es sollte eine gewisse Kommunikation mit den Entscheidungsträgern geben, besonders weil diese oft "keine Ahnung von dem haben, was in den Kindergärten und Schulen vorgeht". Es seien dieselben "Leute von früher", die im Schulwesen bestimmen. Manchmal werden den Lehrern "die Ideen des Ministeriums oder der Inspektorate einfach aufgezwungen".

Es wird aber auch gefordert, die Denkschemen "vergangener Zeiten" sollten sich auch in den Köpfen der Lehrer, Schüler und Eltern ändern. Die meisten würden einseitig denken und sähen nur das Unrecht, das ihnen geschehe. "Der Schein ist wichtiger als das Sein." So werde auch dauernd von Autonomie gesprochen, wo der Schulleiter doch nur frei sei, "alles, was andere beschließen, umzusetzen (oder auch nicht...)". Ein anderer Lehrer schreibt: "Das Ministerium befiehlt, wir müssen gehorchen!!!" Es ginge alles doch wieder in die alte Richtung: Zentralisierung.

Was sich noch ändern sollte: "Die Gesellschaft, weil sie letztendlich entscheidet, hoffentlich." Aber auch "die Entscheidungsträger, weil sie die Macht haben, Dinge zu ändern, falls der Wille da ist." Die Lehrer, Schüler und Eltern sollten die Fähigkeit erwerben, "existierende Probleme sachlich und offen zu diskutieren und Lösungsvorschläge umzusetzen, weil sonst kein Fortschritt möglich ist."

Die wenigen positiven Aspekte, die in den Fragebogen in diesem Zusammenhang erwähnt wurden, sollen hier nicht fehlen: Unsere Schulen öffnen sich. "Es gibt Schüler- und Lehreraustausch mit anderen Ländern, besonders im deutschsprachigen Raum", Weltbank-Finanzierungs-Programme, Bücher, Computer und Autos für den Schülertransport.

Alle diese Meinungen ergeben ein mosaikartiges Bild der Zeit, die vergangen ist. Dennoch ist in der Kritik der Gegenwart und in den Erwartungen, die hinsichtlich der Zukunft geäußert wurden, eine bestimmte Richtung zu erkennen. Hoffen wir auf ein Voranschreiten in diese Richtung!

Zusammenfassung: Adriana Hermann,
Fortbilderin ZfL Mediasch

(Bilder aus der Zeitschrift/imagini din revista)