aus der ZfL Nr. 7:

Schwerpunktthema dieser Nummer:

Religionsunterricht

 

 

Katholischer Religionsunterricht im Banat

 

von Gabriele Burman, Temeswar

 

Seit der Gründung der Diözese Tschanad im Jahre 1030 gibt es im Banat katholischen Religionsunterricht. Sankt Gerhard, der erste Bischof der Diözese, war der Lehrer und Erzieher des heiligen Emmerichs (Sohn des Königs Stephan von Ungarn). Ihm wurde die Ehre gegeben unsere Diözese zu gründen und zu leiten. Die wichtigste Aufgabe jenes Bischofs war die Verkündigung des Evangeliums und die christliche Erziehung. Das geschah in der Kirche und in den von der Kirche gegründeten Schulen. Eine wichtige Rolle haben die Ordensgemeischaften gespielt, wie z.B. die Piaristen, die sich mit der Erziehung der Jungen, und die Schulschwestern, die sich mit der Erziehung der Mädchen beschäftigten. Die Kommunisten haben ihre Schulen geschlossen und verstaatlicht. Die Ordensgemeinschaften wurden im ganzen Land aufgehoben, der Religionsunterricht in den Schulen verboten. In dieser Zeit gab es nur in der Kirche Katechese. Die Kinder und Jugendlichen gingen Samstag oder Sonntag vor oder nach der heiligen Messe zum Religionsunterricht und zur Vorbereitung für den Empfang der Sakramente.

      Die Sprache des Religionsunterrichts im Banat richtete sich nach den Gläubigen, so wie auch heute. Entsprechend den vielen und verschiedenen Nationalitäten, die das Banat bewohnen, gibt es auch heute - in den Kirchen und Pfarreien dieser Christengemeinden - ungarische, deutsche, rumänische, bulgarische, sogar slowakische und tschechische Katechese.

      Als der Religionsunterricht nach 1989 wieder in der Schule eingeführt wurde, hat man viele Änderungen erlebt. Man wusste nicht, wie man ihn nennen soll, ob es ein Fach ist wie alle anderen Fächer, ob man bewerten soll oder nicht und wenn ja, wie das geschehen soll. Es wurden Lehrpläne ausgearbeitet. Heute haben wir schon den dritten Lehrplan seit 1990. Über die Lehrbücher können wir leider nicht dasselbe sagen. Es sind manche Lehrbücher in rumänischer Sprache für die Grundschule und manche für das Lyzeum erschienen. All diese wurden von den Priestern der Diözese Iaşi herausgegeben. Nach der Änderung des Lehrplanes sind leider keine neuen Lehrbücher erschienen. Man kann sagen, dass der ungarische Religionsunterricht am besten steht, weil die Lehrbücher von Ungarn übernommen wurden. In manchen Jahren haben diese Bücher mit dem Lehrplan übereingestimmt, auch wenn sie für zwei Stunden pro Woche ausgearbeitet waren. Andere Lehrbücher gibt es nicht.

      Nach der großen Auswanderung der Deutschen aus dem Banat gibt es deutschen Religionsunterricht, wo noch deutsche Christen zu den Gemeinden gehören. Er wird in den Pfarreien von den Priestern oder von Pfarrern selbst gehalten. Deutschen Religionsunterricht gibt es auch in den deutschen Schulen aus Arad, Lugosch, Reschitza und Temeswar. Hier unterrichten Religionslehrer.

      Die Diözese Temeswar hat ausgebildete Religionslehrer. Zwischen 1991-1997 gab es eine theologische Ausbildung in Temeswar, die von dem römisch katholischen Institut von Karlsburg (Alba Iulia) organisiert und ausgeführt wurde. Für die Anerkennung des Studiums, haben manche Lehrer in Klausenburg (Cluj-Napoca) neue Prüfungen, auch die Lizenzprüfung ablegen müssen, um alle Rechte eines Lehrers zu bekommen.

      Das Bischofsamt sorgt auch für die Fortbildung seiner Lehrer. Unsere Diözese hat drei katechetische Zentren: Arad, Reschitza und Temeswar. Diese Zentren sind mit verschiedenen Lehrmitteln ausgestattet: mit Büchern, Zeitschriften, Bildern, Dias, Videokassetten, Kopiergeräten und Computern. Das katechetische Zentrum pflegt in- und ausländische Partnerschaften (Graz in Österreich). Deutsche Lehrmittel sind von Österreich und Deutschland gespendet worden. Lehrerfortbildungen wurden von Lehrern aus Graz in Temeswar organisiert. Ein Fortbildungszentrum in Lippa (Kreis Arad) steht nicht nur Religionslehrern, sondern auch Laien (Angestellte der Kirche) zur Verfügung. Jedes Jahr werden in diesem Zentrum Exerzitien gehalten.

      Die Kinder, die den deutschen Religionsunterricht besuchen, sind zum größten Teil Katholiken. Die Eltern haben das Recht zu wählen und sich frei für den deutschen Religionsunterricht zu entscheiden. Die Gründe sind sehr verschieden und wechseln jedes Jahr (z.B. ein Orthodoxer kommt, weil Deutsch unterrichtet wird, ein Evangelischer oder Protestant, weil sie keinen Lehrer in der Schule haben. Statt des orthodoxen Unterrichts, wählt er lieber den katholischen. Es gab (gibt) für solche Situationen die Bestätigung vom Pfarrer oder von dem Kult, wo man den Unterricht am Samstag oder Sonntag in der Kirche hält. Diese sollten in der letzten Zeit nicht mehr akzeptiert werden, aber sie sind in der Praxis noch zu finden. Es hat neoprotestantische Lehrer gegeben, die ihren Unterricht ebenfalls in der Schule durchgeführt haben und jetzt nicht mehr kommen. So sind Kinder ohne Noten und auch ohne Religionsunterricht geblieben. Diejenigen, die den deutschen Religionsunterricht gewählt haben, wurden von niemandem dazu gezwungen. Sie tun es freiwillig.

      Die neuen Lehrpläne fordern auch neue Lehrbücher, die noch nicht erschienen sind, nicht einmal in rumänischer Sprache. Man weiß, dass man nur die vom Ministerium akzeptierten Lehrbücher in der Schule verwenden kann. Sie müssen erstmal in rumänischer Sprache erscheinen, damit man sie dann ins Deutsche und in andere Sprachen übersetzen kann. Jeder Religionslehrer oder Priester, der in der Schule unterrichtet, muss sich am Lehrplan orientieren. Es ist eine mühsame Arbeit jede Stunde vorzubereiten. Man verwendet verschiedene Lehrmittel: alte Lehrbücher, verschiedene Bücher oder Arbeitshefte, Zeitschriften, Bilder, Dias oder Videos, je nach den Möglichkeiten. Die Bibel und der Katechismus sind doch die Wichtigsten geblieben. Die Lehrbücher, die wir aus Deutschland und Österreich bekommen haben, können wir nur teilweise benützen, weil sie nicht mit unserem Lehrplan übereinstimmen.

          Religionsunterricht in der Schule ist ein Fach wie alle anderen, wird aber von vielen doch nicht so betrachtet. Man kann sehr schwer formulieren, was man vom Religionsunterricht erwartet: was die Lehrer anderer Fächer, was die Eltern, was die Kinder und was der Religionslehrer. Manche meinen, dass die Stunde sehr locker sein muss, ein bisschen Kenntnisse, ein bisschen Spiel, ein bisschen Gebet und gute, sogar immer nur die besten Noten. Man soll nicht mehr fordern, als was in der Stunde gemacht wird: z.B. von den Kindern nicht verlangen die Kirche, die Sonntagsmesse zu besuchen, zu Hause zu beten, Hausaufgaben zu schreiben oder in der Kirche besondere Aufgaben zu übernehmen. Was das Kind in der Schule bekommt, das reicht ihm, mehr braucht es nicht. Unsere Aufgabe fordert aber mehr. Nicht nur Kenntnisse zu vermitteln und Noten zu geben, sondern vor allem eine christliche Erziehung, dass man als ein Christ leben soll. Leider ist das in der Schule in einer einzigen Stunde nicht erreichbar. Wir haben  nicht immer Kontakt zu der Familie. Wir kennen die Eltern der Kinder nicht immer. Es gibt nicht in jeder Familie eine christliche Erziehung.

Es steht also eine riesige Aufgabe vor uns: Die Beziehung zur Kirche aufzunehmen und was man lernt in die Tat und im Leben umzusetzen. Das wäre: zu ministrieren, im Chor zu singen, die Katechese in der Pfarrei zu besuchen oder zu einer Gruppe zu gehören zum Beispiel zu einer Jugendgruppe, einem Bibelkreis.

      Wir verlieren die Hoffnung nicht. Jeder Tag, jede Stunde ist ein neuer Anfang. Nichts geht verloren. Alle Mühe, alle Anstrengungen, alle Arbeit haben einen Sinn. Was wir begonnen haben, das werden andere weiterführen. Gott kennt uns alle und er wird vollenden, was er in uns begonnen hat.

Gabriele Burman ist Religionslehrerin am Temeswarer Nikolaus-Lenau-Lyzeum

 

 

Evangelischer Religionsunterricht in Rumänien – Realität und Perspektiven

von Friedrich
Philippi, Hermannstadt

Der mir vorgegebene Arbeitstitel kann missverstanden werden. Es klingt in ihm noch das Bewusstsein einer Zeit nach, in welcher die deutschen Schulen in Rumänien der Evangelischen Kirche unterstanden und die Schüler in ihrer Mehrheit evangelisch waren.1

      Es wird also im Folgenden von dem von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien verantworteten Religionsunterricht in der Schule die Rede sein.

 

Einleitung

Als der evangelische Religionsunterricht nach 1990 in den Schulen wieder möglich wurde, konnte unsere Kirche mit Recht stolz auf ihre Erfahrungen im Bereich der christlichen Unterweisung der Kinder und Jugendlichen sein, die sie auch in der Zeit des Kommunismus beibehalten hatte. Es ist leider nicht gelungen diesen Erfahrungsvorsprung anderen Konfessionen gegenüber aufrecht zu erhalten oder ihnen davon etwas weiterzugeben. Diese sind uns z.B. im Bereich der Aus- und Fortbildung der Religionslehrer oder der bis zur 10. Klasse erstellten Lehrbücher weit voraus. Während es für evangelischen Religionsunterricht in Siebenbürgen nur eine einzige Lehrkraft mit Definitivat gibt, haben schon viele orthodoxe Religionslehrer durch die dafür nötigen Prüfungen die erste Lehramtsstufe erreicht.

      Das bei Würdenträgern der evangelischen Kirche zuweilen zu spürende Überlegenheitsbewusstsein in Sachen Religionsunterricht ist wohl mit eine Ursache für die heutige Sachlage. Es führt auch dazu, dass bis heute der schulische Religionsunterricht nicht von allen Geistlichenals solcher zur Kenntnis genommen wird und mit dem kirchlichen Unterricht (christliche Unterweisung, Konfirmandenunterricht) oder mit der Jugendstunde verwechselt oder gleichgesetzt wird.2 Dass es dabei um andere Zielsetzungen geht und eine Unterrichtsstunde einen anderen Aufbau als eine Andacht hat, scheint auch noch nicht allgemein erkannt worden zu sein.

Das Schulsystem

Der Träger aller Schulen, in denen evangelischer Religionsunterricht gegeben wird, ist der rumänische Staat. Somit ist der evangelische Religionsunterricht in der Schule ein Teil des staatlichen rumänischen Schulsystems.

Wie jedes System besteht auch das Schulsystem aus einem Netzwerk von Bestandteilen, die sich gegenseitig beeinflussen und bedingen und bei einer Sachanalyse berücksichtigt werden müssen. Aus Zeitgründen kann hier nur auf einige Aspekte eingegangen werden. Der evangelische Religionsunterricht ist im gesamten Wirkungsgefüge nur ein kleiner Bestandteil. Zu den wichtigsten Bestandteilen dieses Schulsystems gehören die Schüler, die Lehrkräfte und die Lehrmittel.

Gesetzlicher Rahmen

Von außen her wirkt auf das Schulsystem vor allem der gesellschaftliche Auftrag ein, der auf dem Weg über das Parlament und die Regierung in der Form des Unterrichtsgesetzes und der darauf aufbauenden Durchführungsbestimmungen sein Funktionieren regelt. Das gegenwärtig gültige Unterrichtsgesetz Nr. 84/1995 bildet zusammen mit seinen nachträglichen Abänderungen auch den Rahmen für den schulischen Religionsunterricht, auf den sich die Artikel 9/1-5 und 11/3 beziehen. Darin wird festgesetzt, dass Religion als Unterrichtsfach in allen Schulen und allen Klassen eingeführt wird und eines der verpflichtend anzubietenden Unterrichtsfächer ist. Im Einvernehmen mit den Eltern entscheiden die Schüler über die Wahl des Faches Religion und der Konfession. Auf schriftlichen Antrag der Eltern kann das Fach Religion abgewählt werden. Damit alle Schüler einer Klasse dieselbe Fächer- und Notenzahl haben, müssen die Schüler in letzterem Fall laut Curriculum an Stelle von Religion ein anderes von der Schule angebotenes Wahlfach belegen.

Dadurch wird Religion zum Wahlfach, dass aber zum Unterschied von anderen Wahlfächern, welche die Schule frei bestimmen kann, verpflichtend angeboten werden muss. Es ist damit eines von bis zu über 20 Fächern im Stundenplan, im Katalog und im Bewusstsein der Schüler und der Schulleitungen.

Wie nun diese gesetzlichen Bestimmungenin den einzelnen Schulen auch wirklich durchgeführt werden ist sehr unterschiedlich. Die Abwahl des Faches Religion bzw. die Wahl der Konfession setzt eine schriftliche Erklärung der Eltern voraus, die diese aus Planungsgründen schon vor dem Ende des Schuljahres für das nächste Schuljahr geben müssen, was mit zeitlichem und nervlichem Aufwand verbunden ist. Es gibt daher Schulleiter, die sich diesen Aufwand sparen und den Schülern und deren Eltern die Möglichkeit der Abwahl des Faches Religion bzw. der Wahl der Konfession gar nicht mitteilen, sondern eigenmächtig festlegen, dass zum Beispiel in den deutschsprachigen Klassen alle Schüler evangelischen Religionsunterricht haben. Das geht natürlich nur unter der Voraussetzung, dass es einen evangelischen Religionslehrer gibt.  Für die Aufstellung des Stundenplanes ist diese Vorgangsweise einfacher, als wenn aus jeder Klasse Anmeldungen für mehrere Konfessionen oder Abwahlen kommen, die es nötig machen, die Religionsstunden an den Anfang oder ans Ende des Schultages zu legen. Legal ist diese Handhabung der Dinge nicht und für den evangelischen Religionsunterricht wohl auch nur ein statistischer Gewinn. (Es kommt sogar vor, dass während der Religionsstunden auch diejenigen Schüler im Klassenraum bleiben müssen, die Religion abgewählt haben, weil man sie mitten am Schultag nicht einfach wegschicken kann.) Umgekehrt gibt es auch Fälle, in denen der Schulleiter ohne die Option der Schüler und Eltern ganze Klassen dem orthodoxen Religionsunterricht zuführt, da die Schüler ja von Haus aus alle orthodox wären. Schulleiter, die auf die Ungesetzmäßigkeit dieses Verfahrens angesprochen wurden, antworteten mit dem Hinweis, dass der evangelische Religionslehrer die im Schulsystem erforderliche Qualifikation nicht habe. Es wäre eine Aufgabe der Religionspädagogischen Arbeitsstelle der evangelischen Kirche zu untersuchen, inwieweit die gesetzlichen Regelungen in den Schulen mit deutschsprachigen Klassen auch angewendet werden.

      Auch in anderer Hinsicht unterliegt der Religionsunterricht denselben staatlichen Regelungen wie alle Unterrichtsfächer. So müssen die Lehrpläne auch für den Religionsunterricht vom Ministerium bewilligt werden, das an sie dieselben pädagogischen Anforderungen stellt, wie an die Lehrpläne anderer Fächer. Auf Initiative des Bildungsministeriums ist 1999  von Pfarrer Stefan Cosoroabă; ein ursprünglich rumänisch verfasster Lehrplan für das Fach „Evangelischer Religionsunterricht“ für Grundschule und Gymnasium erstellt worden, der durch Ministerialerlass (Nr.4769/25.10. 1999) bewilligt wurde und in einem Band zusammen mit den Lehrplänen der anderen Konfessionen auch gedruckt erschienen ist.3 Für die Lyzealklassen gibt es meines Wissens nach noch keinen vom Ministerium bewilligten Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht. Da besteht Nachholbedarf.

 

Die Schüler

Der wichtigste Bestandteil im System Unterricht sind sicher die Schüler.

Seit über zehn Jahren werden die Schülerzahlen der deutschsprachigen Kindergartengruppen und Klassen von der Schulkommission des Siebenbürgenforums in einer Statistik erfasst4 und seit einigen Jahren geschieht dasselbe auch für den evangelischen Religionsunterricht. Eine vergleichende Analyse der dabei zusammengetragenen Daten sollte als Grundlage für die Planung der zu besetzenden Lehrstellen für den evangelischen Religionsunterricht in der Schule dienen.

      In Siebenbürgen gab es im Schuljahr 2002-2003  87 Kindergärten mit 132 deutschsprachigen Gruppen, in denen rund 2.900 Kinder unterrichtet wurden.

      In den 48 Allgemeinschulen mit deutschsprachiger Abteilung gab es in demselben Schuljahr in den Klassen I.-IV. 2.914 Schüler (um 96 weniger als im Vorjahr) und in den Klassen V.-VIII. 2.919 Schüler (um 144 weniger als im Vorjahr).4 Aus der Durchsicht dieser Tabellen geht z.B. hervor, dass es in den Schulen von Karlsburg, Hermannstadt Nr. 16 und Nr. 18, Neudorf, Nussbach und Wolkendorf im vergangenen Schuljahr keine erste Klasse mehr gab. 19 Schulen hatten in den ersten vier Klassen Simultanunterricht. Da die erforderliche Schüleranzahl pro Klasse heute 30 beträgt, benötigen alle Klassen mit weniger Schülern eine Sondergenehmigung. Auch in den Klassen V.-VIII. sind in manchen Schulen viel zu wenig Schüler.4

          In solchen Schulen entstehen dann natürlich auch für den evangelischen Religionsunterricht zusätzliche Schwierigkeiten, da für das Zustandekommen einer Gruppe mindestens 10 Schüler notwendig sind.

      Die Anzahl der auf Deutsch unterrichteten Fächer schwankt zwischen einem und elf Fächern. In Reps und Viktoriastadt wird nur noch Deutsch als Muttersprache auf Deutsch unterrichtet. Der schon seit Jahren anhaltende Mangel an deutschsprachigen Lehrkräften zeigt hier eine seiner Folgen. Da die rumänischen orthodoxen Schüler aber in diesen Schulen Deutsch lernen wollen, steigt für sie die Motivation den evangelischen Religionsunterricht als eines der wenigen auf Deutsch unterrichteten Fächer zu wählen. Und wenn sie das einmal in den kleinen Klassen getan haben, in denen das Erlernen der Sprache für sie noch besonders wichtig ist, dann wechseln sie schon der Gewohnheit wegen oft nicht mehr zum orthodoxen Religionsunterricht. So erklärt sich in der Hauptsache die große Anzahl der Schüler im evangelischen Religionsunterricht.>5

      An folgenden Allgemeinschulen in Siebenbürgen gab es im Schuljahr 2002-2003 keinen evangelischen Religionsunterricht: Karlsburg, Seiden, Burgberg, Großau, Hermannstadt Nr. 8, Malmkrog, Neudorf, Deva, Kronstadt Nr. 5, Nussbach, Rosenau, Viktoria, Wolkendorf, Neumarkt und Sanktmartin.

      Im Schuljahr 2002-2003 gab es in Siebenbürgen an 14 Lyzeen insgesamt 92 deutschsprachige Klassen mit 2.212 Schülern (Quelle: s. Endnote 4).

      An sieben von diesen Lyzeen gab es im vergangenen Schuljahr keinen evangelischen Religionsunterricht: Energetisches Lyzeum Hermannstadt, Coşbuc-Lyzeum Klausenburg, Energetisches Lyzeum Kronstadt, Papiu-Ilarian-Lyzeum Neumarkt, St. L. Roth-Lyzeum Mediasch, Stanca-Lyzeum Fogarasch und Decebal-Lyzeum Deva.

      Folgende Tabelle zeigt die Schüleranzahl in Siebenbürgen und die im evangelischen Religionsunterricht erfassten Schüler im Vergleich.

 

 

      Eine Graphik in der Schulstatistik Siebenbürgen 2003-2004 mit der Entwicklung der Schülerzahlen der einzelnen Klassen in den deutschsprachigen Schulen Siebenbürgens in den  letzten sechs Jahren (s. Endnote 4) zeigt eine Abnahme der Schüleranzahl in den Klassen 1 bis 6 um rund 27 %, was wohl nicht ganz auf den allgemeinen Geburtenrückgang zurückgeführt werden kann. Im selben Zeitraum sind die Schülerzahlen in der 7. und 8. Klasse um 17,56 % und in den Lyzealklassen um 36,69 % angestiegen. Der zurückgehende Nachwuchs in den Klassen 1-6 wird zukünftig einen Rückgang der Schülerzahl in den Lyzealklassen bewirken.

 

Die Lehrkräfte

In diesem Bereich sind die größten Mängel des evangelischen Religionsunterrichtes festzustellen. Ein Teil des Religionsunterrichtes wird von Pfarrern gehalten, die leider die im Unterrichtswesen nötige Qualifikation auch nicht alle haben, was sich dann auf ihre Entlohnung in der Schule auswirkt und zu Unzufriedenheit führt. Ein anderer Teil des Religionsunterrichtes wird von Unqualifizierten gehalten, die manchmal nicht einmal zur evangelischen Kirche gehören. Als Außenstehender fragt man sich unwillkürlich, wie diese die notwendige Bevollmächtigung zur Erteilung des evangelischen Religionsunterrichtes Augsburger Bekenntnisses (im Sinne der vom Landeskonsistorium im Mai 1998 erlassenen Regelung6) erhalten haben. Auch der Einsatz von ausländischen Abiturienten im freiwilligen sozialen Jahr oder von Studenten als Religionslehrer disqualifiziert den Religionsunterricht in den Augen der Kollegen in der Schule zu einem Fach, das man auch ohne Ausbildung unterrichten kann. Abgesehen von den Schwierigkeiten, die ausländische Hilfskräfte durch die Unkenntnis der Staatssprache im Unterricht bekommen können, sind die Erfahrungen der Schule mit ihnen nicht immer die besten.

      Besonders negativ hat sich in den vergangenen Jahren in mehreren Schulen der ständige Wechsel des Religionslehrers ausgewirkt. Unter diesen Umständen kann in einem Fach mit nur einer Wochenstunde keine Kontinuität im Unterricht erreicht werden, da der neue Lehrer nicht genau weiß, was sein Vorgänger durchgenommen hat, worauf er also aufbauen kann.

      Fast alle Religionslehrer sind, zum Unterschied von ihren orthodoxen Kollegen, die in der Regel mit ganzer Norm in der Schule arbeiten und auf diese Anstellung angewiesen sind, nur Stundengeber und nehmen dadurch kaum am Schulleben oder an schulinternen Sitzungen teil.  Eine einzige evangelische Religionslehrerin (in ganz Siebenbürgen!) ist gleichzeitig Klassenlehrerin und dadurch voll in das Schulleben integriert. Manche evangelischen Religionslehrer kennen ihre orthodoxen Kollegen an der Schule gar nicht. Ein Erfahrungsaustausch mit diesen wäre wohl auch ein Beitrag zur praktischen Ökumene. Die Teilnahme am pädagogischen Kreis der Religionslehrer oder an den vom Haus des Lehrers für Religionslehrer angebotenen Fortbildungen sind weitere Möglichkeiten sich mit den Entwicklungen im religionspädagogischen Bereich im Inland auf dem Laufenden zu halten, die aber nicht genutzt werden. Die Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen im Inland sollte die Voraussetzung zur Teilnahme an solchen im Ausland sein.

    Der Mangel an ausgebildeten Religionslehrern verstärkt in unseren deutschsprachigen Schulen den Mangel an deutschsprachigen Lehrkräften im Allgemeinen. Letzterer ist darauf zurückzuführen, dass Hochschulabsolventen, welche in unseren Schulen Deutsch gelernt haben, mit diesen Sprachkenntnissen in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft mehr verdienen als in der Schule. Wir haben in der Schulkommission des Siebenbürgen- und Landesforums wiederholt überlegt, wie dem abgeholfen werden könnte. Dabei wurde auch überlegt Mittel aufzutreiben, um die auf Deutsch unterrichtenden Lehrkräfte materiell zu fördern. Abgesehen davon, dass solche Mittel kaum zu bekommen wären, würde eine derartige Förderung an den meist sprachlich gemischten Schulen auch zu Unstimmigkeiten zwischen den Unterrichtenden führen. Wir hielten es darum auch nicht für richtig, wenn evangelische Religionslehrer ihren Brüdern und Schwestern in der Schule gegenüber besser gestellt würden. Ihre Förderung sollte ohne eine Benachteiligung gleichgestellter Kollegen in der Schule erfolgen.

    Das wäre zum Beispiel durch eine auch für den Lehrerberuf qualifizierende und anerkannte Ausbildung der zukünftigen Pfarrer zu erreichen, die dadurch die Möglichkeit erhielten durch Ablegung der im Lehramt vorgeschriebenen Aufstiegsprüfungen als Religionslehrer ebenso bezahlt zu werden wie ihre Kollegen in der Schule.

    Ich sehe für die Zukunft nur dann eine Möglichkeit die erforderliche Anzahl an Religionslehrern zu sichern, wenn alle Studierenden des Evangelischen Theologischen Instituts durch ihr Studium auch die im Lehramt nötige Qualifikation für den Religionslehrer erhalten und eine bestimmte Anzahl von Religionsstunden in der Schule verpflichtend zum Anstellungsprofil aller neu eingestellter Pfarrer gehören. Da diese Stunden vom Staat bezahlt werden, stellt dieses zusätzliche Einkommen eigentlich schon einen materiellen Anreiz dar.

Die Lehrmittel

Die wichtigsten Lehrmittel sind auch im Falle des evangelischen Religionsunterrichts die Lehrbücher. Da inzwischen der 10-Klassen-Unterricht verpflichtend ist, erhalten die Schüler dieser Klassen die Schulbücher kostenlos. Natürlich vorausgesetzt, dass es sie gibt. In den letzten Jahren haben sich Autoren und Verlage gefunden, um eine neue Fibel und neue Deutschbücher der Klassen II.-VIII. zu erstellen. Für dieselben Klassen konnten auch die Lehrbücher der anderen Fächer aus dem Rumänischen übersetzt werden. Für die Lehrbuchübersetzungen der X.-XII. Klasse mussten zuerst die nötigen Geldmittel eingeworben werden. Das ist der Schulkommission des Landesforums gelungen, so dass es inzwischen in den wichtigsten Unterrichtsfächern deutsche Lehrbücher bis zur XII. Klasse gibt.

    Das von mehreren Autoren erarbeitete Lehrbuch der Geschichte und Traditionen der Deutschen Minderheit ist in Arbeit und wird hoffentlich bald erscheinen.

    So wie es gelungen ist, eine eigene Fibel, eigene Deutschbücher und ein Geschichtsbuch der deutschen Minderheit zu erstellen, sollte es doch auch möglich sein, ein evangelisches Religionsbuch herauszugeben, das für den Gebrauch in mehreren Klassen gedacht sein müsste.

    Die Verwendung ausländischer Religionsbücher kann nur eine Notlösung sein. Wenn sie vorläufig weiter verwendet werden müssen, sollte dafür die nötige ministerielle Genehmigung eingeholt werden, worauf unsererseits schon wiederholt hingewiesen wurde.

 

Friedrich Philippi ist Geographielehrer am Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt, Kurator des Kirchenbezirks Hermannstadt der ev. Kirche A. B. und Leiter der Schulkommission des Siebenbürgenforums. Der hier abgedruckte Beitrag ist die leicht überarbeitete Fassung eines vom Autor auf der 70. Landeskirchenversammlung der evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (November 2003) gehaltenen Koreferats. Der Titel des Koreferats lautete: Der Religionsunterricht in der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien – Realität und Perspektiven.

1 Köber, Berthold: Kirche und Schule bei den Siebenbürger Sachsen, in Beiträge zur siebenbürgischen Schulgeschichte, Böhlau, 1996 (Siebenbürgisches Archiv; Folge 3, Bd. 32)

2 Religionspädagogische Arbeitsstelle der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien: Statistik über unseren evangelischen Religionsunterricht im Schuljahr 2002/2003>

3 Ministerul Educaţiei Naţionale: Curriculum Naţional, Programe Şcolare pentru clasele I–VIII, Aria curriculară: Om şi societate, Vol. 7, Religie, Bucureşti 1999

4Schulkommission des Siebenbürgenforums: Schulstatistik Siebenbürgen 2002/2003, März 2003 (erstellt von Friedrich Philippi)

5 Popa Ionuţ, Aspecte ale religiozităţii adolescenţei. Studiu de caz: elevii Colegiului Naţional „Samuel von Brukenthal“ Sibiu, în Tradiţie şi actualitate în Transilvania multiculturală, Sibiu 2002

6 Erlass an alle Bezirkskonsistorien betreffend die Bereitstellung und den Dienst von Religionslehrern, in Landeskirchliche Information Nr. 15/16 vom 15./31. August 1998

Zusammenfassung: Adriana Hermann,
Fortbilderin ZfL Mediasch

(Bilder aus der Zeitschrift/imagini din revista)