aus der ZfL Nr. 8:

Schwerpunktthema dieser Nummer:

Facetten des DaF-Unterrichts

 

Povestirren wir mär spätt, Herr Lärrer!

Zu meinen besonderen Vergnügen gehört der allmorgendliche Gruß, der freundlich an den Herrn Lärrer gerichtet wird und Zweifel am Erfolg der letzten Ausspracheübung aufkommen lässt. Hatte ich doch geglaubt, Bahnbrechendes zur Einübung der langen und kurzen Vokale in der deutschen Sprache geleistet zu haben und hatten nicht alle mir versprochen, diese Klippe künftig zu umschiffen! Wieder ein Satz mit x – das war nix!
Eine Schwierigkeit, mit der die meisten rumänischen Sprachlerner zu kämpfen haben, ist die Existenz von langen und kurzen Vokalen in der deutschen Sprache im Gegensatz zur rumänischen, die nur eine Vokallänge kennt.
Zugegebenermaßen behindert der rumänische Vokalgebrauch das unmittelbare Verständnis der deutschen Aussage oft nur wenig; er erschwert aber das Zuhören und beeinträchtigt so eine reibungslose Kommunikation. In einigen Fällen kann er sogar zu Missverständnissen führen (Ist der Ofen offen? Bin ich innen oder außen oder nur einfach Ihnen dankbar?) und nicht zuletzt zu Orthographiefehlern (In den Somerferien faren die Holänder ans Mer).
Gern würde ich hier ein Patentrezept zur Lösung dieses Ausspracheproblems bieten; da das Glück aber nur eine Frage der Bescheidenheit ist und nur ein asiatischer Automobilhersteller das Unmögliche möglich machen kann, möchte ich mich hier nur auf einige Ansätze beschränken, die Schülerinnen und Schüler für diese Besonderheit der deutschen (und nicht nur der deutschen!) Sprache zu sensibilisieren und sie zumindest unter dem gestrengen Lehrerblick zur Dehnung der Vokale zu veranlassen.
Das in der Schülerschaft so beliebte Kaugummi kann einen wertvollen ersten Beitrag zur Sensibilisierung leisten, indem man die langen Vokale „Kaugummi-Vokale“ tauft, die man dehhhhhnen und zieeeeehhhen kann, und sie (freilich ohne Kaugummi) praktizieren lässt. Meiner Erfahrung nach eignet sich chorisches Sprechen bzw. Nachsprechen zum Einüben. Zumeist wähle ich Wörter mit ‚langem betonten Anlaut‘ (aber, eben, Igel, oben, üben, ähnlich etc.), um zugleich die im Deutschen häufig auftretende Abschwächung der Folgesilbe einzuüben (die Aussprache des langen Vokals lässt nicht mehr genug Atem für die Folgesilbe).
Ein klasseninterner Wettbewerb, wer die Vokale am längsten aussprechen kann, ist vielfach sinnvoll. – Denkbar ist auch ein Ballspiel, in dem während der Aussprache eines langen Vokals einer/einem im Kreis stehenden Mitschülerin/Mitschüler ein Ball bedächtig zugeworfen wird.
Vielfach gibt die Schreibweise eines Wortes Auskunft über die Länge bzw. Kürze des Vokals. Das im Cornelsen Verlag erschienene Übungsbuch „Texte und Methoden“ (Ida Hackenroth: „Texte und Methoden“, Cornelsen Verlag, Berlin 1997, S. 18f) stellt die wichtigsten Regeln für die Dehnung eines Vokals in übersichtlicher Form zusammen:

1. Die betonten langen Vokale a,e,o,uwerden mit dem einfachen Buchstaben oder – seltener – mit Doppelbuchstaben (allerdings nie Doppel-u) oder mit Dehnungs-h geschrieben.

a: Tat, wagen, spät Saal, Saat, kahl, Wähler
e: Besen, selig, Teer, Seele, nehmen, Lehm
(hier ist besonders auf die Aussprache des geschlossenen „e“ zu achten. Anmerkung Michael Macke)
o: rot, Tor, nötig, Boot, Moor, Lohn, Söhne
u: Glut, stur, Lüge, Fuhre, rühren

Merken Sie sich besonders:
Das Präfix ur- und die Suffixe -bar, -sal, - sam, -tumwerden ohne Dehnungs-h geschrieben:
uralt, verfügbar, Mühsal, Wachstum

2. Das lange i wird häufig durch ie, manchmal durch i und selten durch ih oder durch iehwiedergegeben:
lieben, hier
Biber, dir
ihm, ihnen, ihr (Das sind übrigens die einzigen Wörter mit – ih-!)
Vieh, fliehen

Beachten Sie die je nach Bedeutung unterschiedliche Schreibweise:
wieder – wider, Lied – Lid, Stiel – Stil, Miene – Mine, Fieber – Fiber

3. Merken Sie sich die Schreibweise des langen iin Fremdwörtern:
- i in den Suffixen -ine, -in und -il: Apfelsine, Maschine, Violine, Vitrine; Termin, Vitamin; Ventil, Reptil
- ie am Wortende in Chemie, Kopie, Deponie, Harmonie und  -ier in kopieren, garnieren, Manier, Scharnier

Im Fremdsprachenunterricht sind sicherlich nicht alle Regeln vermittelbar; Regeln und Übungen müssen der jeweiligen Altersgruppe angepasst werden. M.E. sollte es aber möglich sein, auch in unteren Klassen auf das Dehnungs-h und die Vokalgemination (Boot, Saal, Teer etc.) hinzuweisen. Besonders das Suffix -bar kann anhand zahlreicher Beispiele eingeübt werden, da es ein relativ ‚flexibles‘ Suffix ist, das an den Stamm vieler Verben angehängt werden kann (trag-bar, ess-bar, trink-bar, lern-bar, dehn-bar etc.). Gerade die Regeln für das lange iin Fremdwörtern können mit rumänischen Muttersprachlern eingeübt werden, da viele Wörter den rumänischen Äquivalenten ähnlich sind. Vorsicht ist allerdings bei dem Wort „Kopie“ geboten!
Die phonetisch lange Verb-Endung -ieren, die dem französischen Einfluss auf die deutsche Sprache zu verdanken ist (z.B. parlieren, spazieren, flanieren etc.) kann sicherlich auf humorvolle Weise durch Neologismen (povestieren, mâncieren, furieren, întrebieren etc.) vertieft werden und zur richtigen Wortschatzarbeit führen. 
Ein ergänzender, umgekehrter Weg ist ebenfalls denkbar und nach meiner Erfahrung (zumindest in der muttersprachlichen Abteilung) auch beschreitbar (auch hier wieder ein langes a). Vielfach wird im Deutschen die Kürze eines Vokals von der folgenden Konsonantengemination bestimmt.

a: beisammen, nachäffen
e: nennen (vgl. nehmen)
i: innen (vgl. ihnen)
o: hoffen (vgl. mein Paradebeispiel offen und Ofen), öffentlich
u: Putte (vgl. Pute; auch hier ist ein Lacheffekt möglich), Lümmel, sich kümmern

    Die Schülerinnen und Schüler sollten darauf hingewiesen werden, dass lediglich ‚Faustregeln‘ vermittelt werden können und dass Sprachen unlogische Gebilde sind, deren Gesetze oft auf den ersten Blick undurchschaubar und historisch gewachsen sind („Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten.“).
In diesem Zusammenhang kann auch auf die deutschen betonten und unbetonten, langen und kurzen Vorsilben verwiesen werden, die oft über die Trennbarkeit eines Verbs entscheiden (beántworten / ich beantworte, vórgeben / wir geben vor, ábgeben / die Aufgaben werden abgegeben, zúnehmen / wir nehmen nach dem guten Essen zu etc.)

    Es bleibt nur zu hoffen, dass die rumänischen Schülerinnen und Schüler uns als deutschen Muttersprachlern diese zugegebenermaßen langweiligen ‚Entgleisungen‘ verzeihen und uns nicht z. B. durch ähnliche Übungen mit den Vokalen ‚ă‘, ‚â‘ und ‚a‘  auf´s Glatteis führen und für frivole Lacherfolge sorgen.
Michael Macke, Deutschlehrer
Liviu-Rebreanu-Lyzeum, Bistritz

 

 

DaF - mit oder ohne Denglisch ?

Heutzutage sprechen alle über den EU-Beitritt, Mehrsprachigkeit und die Kompetenz, sich in einer oder gar mehreren Fremdsprachen verständigen zu können. Schon Voltaire (1694 - 1778) wusste: „Kennst du viele Sprachen - hast du viele Schlüssel für ein Schloss.“
Es ist erwähnenswert, dass fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung (45 %) bereits mehrsprachig ist. Wir wissen, dass die am „weitesten verbreitete“ Sprache nicht Deutsch sondern Englisch ist. Sie ist die Muttersprache von 16 % der europäischen Bürger und weitere 31 % verfügen über für ein Gespräch ausreichende Englischkenntnisse. Es folgt Deutsch, die Muttersprache von 24 % und Fremdsprache von 8% der EU-Bürger. Wichtig ist auch, dass die meisten Personen Englisch, gefolgt von Französisch und Deutsch für die „nützlichsten“ Fremdsprachen halten . 
„Mit jeder Sprache, die du erlernst, befreist du einen bis dahin in dir gebundenen Geist.“ (Friedrich Rückert, 1788 - 1866) und heutesprechen alle „Geister“ mehr oder weniger gut Englisch. Oder Denglisch?
Denglisch (in Österreich: Engleutsch; auf Englisch: Ger-mish)  ist ein Begriff, der sich aus Deutsch und Englisch zusammensetzt und die Kunstsprache beschreibt, die entsteht, wenn englische Ausdrücke und Worte in deutsche grammatische Konstruktionen eingebaut werden.
Die Anglisierung und der Rückzug des Deutschen aus der internationalen Kommunikation sind nicht leicht zu begründen. Es ist auf keinen Fall die Folge eines objektiven Zwangs. Gewiss, man muss gutes Englisch lernen, denn: „Wer einer reichen Sprache Bedeutung beimisst, dem öffnen sich alle Türen.“ (Karin Heinrich), und Sprachräume sind Wirtschaftsräume. Jedenfalls sollte man dabei die eigene Sprache als genaues Denk- und Ausdrucksmittel bewahren und weiterentwickeln und Interesse daran haben, die deutsche Sprache als internationale Sprache zu bewahren und zu verwenden.
Was hat das alles mit uns DaF-Lehrern zu tun? Vieles. Die englischen „Einsprengsel“ werden oft von den Schülern im DaF-Unterricht verwendet, obwohl sie als irritierend empfunden werden, weil sie in der sprachlichen Assimilation noch nicht die Stufe von Lehnwörtern erreicht haben. Einige könnten wie Erhard Blanck sagen,  „Deutsche Sprache - schwere Sprache. Deshalb vereinfachen wir sie erfolgreich durch Englisch“. Ob das stimmt? Was können wir Lehrer dagegen unternehmen? Wie viele Anglizismen sind erlaubt ?
Denglisch-Befürworter meinen mit Konfuzius: „ Die ganze Kunst der Sprache besteht darin, verstanden zu werden.“ Sie vertreten die Auffassung, viele Dinge könne man im Deutschen nicht ebenso gut ausdrücken und versuchen häufig, Denglisch-Gegner mit offenkundig unsinnigen Übersetzungsversuchen zu diskreditieren. Diese hingegen vertreten die Auffassung, dass man bei einigem Nachdenken dieselben Aussagen auch auf Deutsch ausdrücken könne. Denglisch sei oftmals reine Angeberei.
Es bleibt unsere Aufgabe, unseren Schülern die Liebe zur deutschen Sprache zu vermitteln und sie darüber aufzuklären, was schon Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770 - 1831)  wusste: „Alles in der Muttersprache ausdrücken zu können, bekundet höchste Geistes- und Seelenbildung.“
Es bleibt aber ihnen überlassen, inwieweit sie sich von der globalen Modernisierung der Sprachen beeinflussen lassen, vor allem aufgrund der Dominanz der englischen Sprache in der Wirtschaft, der Popmusik, der Filmindustrie, der Werbung und der Welt der Computer .
Mit Ausdauer, Geduld, List und harter Arbeit lassen sich auch Erfolge sehen, denn: „Die Muttersprache zugleich reinigen und bereichern ist das Geschäft der besten Köpfe.“ (Johann Wolfgang Goethe ). Oft erzielt man mehr durch Witz als durch akademische Vorträge, strenge Regelungen und schlechte Zensuren: „Do you speak English?“ - „Hi!“, sagte der Tiefseetaucher und hob grüßend die Hand. Der Hai schnappte zu. (Prof. Rainer Kohlmayer )
Und weil Weihnachten bald an die Tür klopft, könnte man spielerisch folgendes denglische Gedicht mit der Klasse besprechen und „übersetzen“. Viel Spaß!

 

Denglische Weihnachten

When the snow falls wunderbar
and the children happy are
when the Glatteis on the street
and we all a Glühwein need
then you know, es ist soweit:
She is here, the Weihnachtszeit.

Every Parkhaus ist besetzt,
weil die people fahren jetzt
all to Kaufhof, Mediamarkt,
kriegen nearly Herzinfarkt,
shopping hirnverbrannte things
and the Christmasglocke rings.

Mother in the kitchen bakes
Schoko-, Nuss- and Mandelkeks
Daddy in the Nebenraum
schmücks a Riesen-Weihnachtsbaum,
he is hanging auf the balls,
then he from the Leiter falls ...

Finally the Kinderlein
to the Zimmer kommen rein
and es sings the family
schauerlich: “Oh, Christmastree!”
and than jeder in the house
is packing die Geschenke aus.

Mama finds unter the Tanne
eine brandnew Teflon-Pfanne,
Papa gets a Schlips and Socken,
everybody does frohlocken.
President speaks in TV,
all around is Harmonie,

Bis mother in the kitchen runs:
im Ofen burns the Weihnachtsgans.

And so comes die Feuerwehr
with Tatü tata daher,
and they bring a long, long Schlauch
and a long, long Leiter auch.
And they schrei - „Wasser marsch!“,
christmas is now im ... Eimer ...
Merry Christmas, merry Christmas,
hear the music, see the lights,
frohe Weihnacht, frohe Weihnacht,
merry Christmas allerseits ...

 

Bibliographie
1. Roland Kaehlbrandt: „Come in und finden Sie wieder raus“, in: Rheinischer Merkur Nr. 31, 29.07.2004
2. Barbara Schröter: „Lernen Sie Denglisch!“ in: Die Welt, 21.08.2000
3. Sprachen in Europa, EU
4. Internet
Cristina Drescan, Sächsisch-Regen
Helmine Pop, Neumarkt am Mieresch

 

Zusammenfassung: Adriana Hermann,
Fortbilderin ZfL Mediasch

(Bilder aus der Zeitschrift/imagini din revista)